Als ich loszog, um eine Reise zu machen…

Reise
Bild: Didi Burnault

Was ist das Verrückteste, das ich bisher in meinem Leben getan habe? Diese Frage stellte ich mir Anfang Oktober 2018 und kam dabei zu dem Schluss, dass ich in meinen fast 32 Jahren auf dieser Welt viel zu wenige verrückte Dinge getan habe. Die Art von Dingen, an die man sich noch erinnert, wenn man alt ist. Deshalb beschloss ich, das erste Mal in meinem Leben alleine zu verreisen.
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Die Vorgeschichte

Ende August 2018 kündigte ich meinen Kellner-Job und fand eine neue Stelle als Texter, die aber erst ab November starten sollte. September und Oktober war ich also zwischenzeitlich ohne Job und hatte viel Zeit für Dinge, für die ich sonst keine Zeit hätte. Dummerweise schickte mir meine Psyche einige alte Themen vom Unterbewusstsein an die Oberfläche hoch, damit ich sie bearbeiten konnte. Sie dachte wohl, dass jetzt die passende Gelegenheit dazu sei.
Mitte Oktober hatte ich diese alten Sachen dann bearbeitet und ich wusste, ich hatte jetzt noch zwei Wochen frei, die ich nutzen müsste, um was Spontanes und Verrücktes zu tun. Die Gelegenheit würde so schnell nicht wieder da sein. Auch wenn man sich natürlich Urlaub nehmen kann später im Job, aber das hier war was Anderes. Es waren die letzten zwei Wochen, bevor ich richtig ins Berufsleben einsteigen würde.
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Was also tun?

Für mich standen mehrere Möglichkeiten im Raum:

  • eine Spontanreise nach Freiburg
  • eine erneute Tantra-Massage
  • der Besuch des Musicals „König der Löwen“ in Hamburg

Letztlich entschied ich mich für den ersten Punkt. Es war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Und das sind ja bekanntermaßen die besten… 😉
Noch kurz ein paar Worte über meine Beziehung zu Freiburg: Obwohl ich aus Hessen komme, war ich als kleines Kind in den 90ern Fan von der Fußball-Mannschaft des SC Freiburg. Wenn wir als Familie mit dem Auto unterwegs waren, fragte ich immer, wie weit es von hier bis nach Freiburg sei und wie lange man bis dahin bräuchte. Es war eine kindliche Neugier, die über die Jahre hinweg in den Hintergrund rückte, je älter ich wurde. In den letzten Jahren funkelte sie aber immer mal wieder auf. Und je mehr ich im Internet über die Stadt recherchierte und Bilder von ihr sah, desto größer wurde die Neugier und der Wunsch, mal dorthin zu fahren. Dass ich dies dann im Oktober 2018 tat, war so, als wäre ich mit 25 Jahren Verspätung einer kindlichen Neugier gefolgt. Es war keine rationale Entscheidung, sondern eine intuitive.
Ich buchte ein Hotel und besorgte mir Bahntickets. Zunächst war ich voller Vorfreude. Ich beschloss, meinen Aufenthalt nicht durchzuplanen, was absolut untypisch für mich war. Normalerweise ist bei mir alles ganz klar strukturiert. Doch irgendwie wollte ich dieses Muster durchbrechen…
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Aus Vorfreude wird Angst

Einen Tag vor der Abreise wurde aus der Vorfreude Angst. Schließlich war es meine erste Reise alleine. Ich war schon mit Familie und anderen Leuten verreist in meinem Leben, doch nie gänzlich allein. Und abgesehen davon hatte ich alles selbst geplant, organisiert und sogar finanziert. Auch wenn es viel Geld für meine Verhältnisse war, dass ich für diese Reise „auf den Tisch legte“. Dabei schlug ich auch finanzielle Unterstützung durch meine Mutter aus. Sie wollte mir Geld geben, da ich Geburtstag hatte. Da diese Reise aber so etwas wie eine Prüfung meiner Selbstständigkeit und meines Wagemutes darstellte, wollte ich auch alles selbst bezahlen.

Naja, jedenfalls hatte ich kurz vor knapp doch noch mal richtig Schiss vor dem Unbekannten und Neuem bekommen. Es war das übliche Bauchgrummeln. Außerdem konnte ich nur sehr schlecht schlafen. Trotz allem hielt mich das natürlich nicht von der Reise ab.
In gewisser Weise hatte der Aufenthalt für mich auch einen therapeutischen Charakter, zumal ich mich ja meinen Ängsten stellen wollte. Deshalb nahm ich mir auch vor, gezielt mit Leuten ins Gespräch zu kommen, weil ich (mal wieder) üben wollte, Lockerheit in der Kommunikation zu bekommen. Trotzdem hatte ich auch viele Momente alleine für mich. Und in diesen Momenten der Stille in der Natur hatte ich so einige Erkenntnisse.
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Fazit

Letztlich war es eine Reise zu mir selbst. Ich hatte so viel über mich gelernt und bin so viel reifer zurückgekehrt, weil ich mich einfach meinen Ängsten stellte und neue Wege gegangen bin. Und dies war eine hervorragende Übung, da ich seitdem weniger Angst vor dem Unbekannten habe. So habe ich einen Monat später meine berufliche Selbstständigkeit gewagt, was ich ohne die Reise bestimmt nie gemacht hätte. Es hat sich also eine alte Gandhi-Weisheit bestätigt:

„Wenn du etwas wagst, wächst dein Mut. Wenn du zögerst, wächst deine Angst.“

Zudem war der Lerneffekt für mich, dass man alles nachholen kann. Jeden noch so kleinen nicht gelebten Kindheitstraum.

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