Mein Leben

Der Begriff Heldenreise in Film und Psychotherapie (2)

zwei Köpfe

Das Konzept der Heldenreise von Joseph Campbell findet sich nicht nur in zahlreichen Filmen wieder; es lässt sich auch hervorragend auf das eigene Leben und die Herausforderungen, die es mit sich bringt, übertragen.
Bisher hatte ich lediglich die Erzählstruktur analysiert. Campbell hat aber auch die Figuren von zahlreichen Geschichten verglichen und dabei festgestellt, dass es bestimmte Archetypen gibt, die immer wieder auftauchen.
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Das sind die Archetypen der Heldenreise

Neben dem Helden, um den sich alles dreht, gibt es noch die folgenden Archetypen, die in den meisten Geschichten und Filmen wiederzufinden sind:

  • Der Mentor: Er ist so etwas wie der Lehrer des Helden und besitzt Weisheit und Erfahrung.
  • Der Schwellenhüter: Er/sie ist verbunden mit der ersten kleinen Prüfung, die der Held bestehen muss und kann daher als ein personifizierter Test verstanden werden.
  • Herold: Er/sie gilt als „Verkünder der Botschaft“ und steht in Verbindung mit dem „Ruf zum Abenteuer“.
  • Der Gestaltwandler: Er/sie ist unberechenbar, weil er/sie mehrere Gesichter hat und sich ständig verändert.
  • Der Schatten: Er/sie ist entweder der klassische Antagonist des Helden und/oder seine Schattenseite.
  • Der Trickster: Er/sie ist ein Begleiter des Helden, der/die sich durch Humor, Unernsthaftigkeit und Leichtigkeit auszeichnet und daher als eine Art Clown fungiert.
  • Sonstige Verbündete: Sie sind die Weggefährten des Helden auf seinem Abenteuer.
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Therapie-Déja-Vu

Wie bei den in Teil eins beschriebenen Phasen der Heldenreise ergeben sich hier ebenfalls einige Interpretationen, wenn man die Figuren auf das Leben bezieht. Im psychosomatischen Konzept zum Beispiel drückt sich der Körper durch Krankheit aus und wird so zum Herold. Des Weiteren ist es ziemlich offensichtlich, dass jeder Psychotherapeut eine Mentor-Rolle einnimmt. Und die Verbündeten sind unsere Freunde, die uns täglich einfach nur durch ihre Anwesenheit Kraft für dieses Leben geben.

Als ich mir nochmals eine Grafik zu den Archetypen in Christopher Voglers Buch „The Writer’s Journey“ anschaute, las ich darüber die Bemerkung, dass alle Archetypen in gewisserweise nur Spiegelbilder des Helden sind. Sie repräsentieren bloß seine unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile im Außen. In dem Moment wurde mir klar, wie viel all das auch mit dem ganzen Therapiekram zu tun hat, mit dem ich mich seit etwa drei Jahren beschäftige. Ich sehe einige Parallelen zur systemischen Aufstellungsarbeit. Aber auch die Kellerkinder-Methode von Galli arbeitet mit den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen, die jeder von uns in sich trägt – auch wenn Galli sich auf die Schattenseiten fokussiert.

Mir gefällt einfach der Gedanke, dass die äußere Welt um uns herum nur ein Spiegelbild unserer inneren Welt ist. Ich denke, dass jede Form von Glaube und Spiritualität ebenfalls auf dieser Idee beruht. Dass wir alle eins sind. Und dass wir alle miteinander verbunden sind. Von Gandhi gibt es das schöne Zitat:

„Du und ich – wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich selbst zu verletzen.“

Alle Konflikte dieser Welt fangen im Inneren an.
Wow! Was für ein Gefühl von Erleuchtung durchströmt mich, als ich diese Zeilen schreibe. Vor allem aber habe ich die Idee, dass man das Konzept der Heldenreise eins zu eins therapeutisch nutzen könnte. In diesem Moment bilde ich mir schon ein, damit ein weltbewegend neues Konzept entwickelt zu haben – nur um dann festzustellen: Gibt es schon!
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Die Heldenreise nach Paul Rebillot

Paul Rebillot war schneller. Der amerikanische Psychotherapeut und Autor entwickelte ein therapeutisches Konzept, das auf Campbells Ideen der Heldenreise fußt und in den Bereich der Gestalttherapie fällt. Bei meiner ersten Recherche habe ich herausgefunden, dass dieses Konzept in Deutschland sogar ziemlich populär ist und dass es mehrere Anbieter eines derartigen therapeutischen Seminares gibt. Was ich wiederum mega spannend finde, da ich ja gerne neue therapeutische Sachen ausprobiere. Wer weiß, vielleicht werde ich mich ja mal auf Paul Rebillots Heldenreise begeben… Bis dahin vergnüge ich mich mit diesem tollen Trailer, auf den ich bei meiner Recherche ebenfalls zufällig gestoßen bin. Denn anscheinend wurden Campbells Forschungen auch verfilmt:

Der Krisenwandler ist auch auf Facebook und bei Twitter sowie Instagram zu finden.

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