Kurzgeschichten

Die Fehlbesetzung [Kurzgeschichte]

Kinositze

Als ich zum Casting kam, sagten sie mir, alle Rollen bis auf diese eine seien schon besetzt und das Drehbuch sei auch schon geschrieben. Ich bräuchte mich um nichts kümmern.

Ich traute mich eigentlich gar nicht, vorzusprechen, da sagten sie mir, ich würde voll in die Rolle des Lückenbüßers passen und sie würden mich gerne nehmen. Als ich sie fragte, was sie an meinem Auftritt so sympathisch und überzeugend fänden, sagten sie, sie liebten meine Passivität, Hilflosigkeit und Ohnmacht. Ich fühlte mich gut, da ich angenommen wurde in meiner ersten Filmrolle. Ich war Teil des Ganzen, gehörte dazu. Aber mit der Zeit merkte ich, dass mein Mitspracherecht gegen null ging. Keine freie Gestaltung. Meine Rolle war bis ins letzte Detail vorgeschrieben. Mir gefiel meine Rolle nicht. Und auch mit meinen Schauspielkollegen kam ich nicht klar. Die komplette Story war Mist. Ich wusste, ich wollte etwas anderes spielen als das hier. Was Großes. Wo ich im Mittelpunkt stehe und mitgestalte. Wo ich erschaffe. Meine Entschlossenheit wurde größer und größer, bis ich dann endlich Mut fasste und aus diesem schlechten Film ausstieg. Ich war einfach eine Fehlbesetzung für die Rolle. Und überhaupt: Statisten gibt es da draußen doch sowieso genug.

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