Mein Leben

Mein persönlicher Jahresrückblick 2020

Jahresrückblick 2020

Pünktlich zum Jahresende ist es für mich an der Zeit, nach gefühlten Ewigkeiten mal wieder einen Artikel zu schreiben – und zwar meinen Jahresrückblick 2020. Die Zeit könnte kaum passender sein, befinden wir uns doch aktuell in den magischen Rauhnächten. Diese Phase des Jahres ist perfekt geeignet für innere Einkehr und um Dinge zu reflektieren.

Immer weniger Zeit für “Der Krisenwandler”

Zunächst einmal habe ich dieses Jahr festgestellt, dass ich immer weniger auf meiner Webseite schreibe. Auch für meinen Podcast habe ich kaum noch neue Episoden produziert. Das hat unterschiedliche Gründe.

Einerseits ist mein Leben längst nicht mehr so dramatisch, wie es vor etwa zwei, drei Jahren noch war. Aber das ist auch gut so. Die Konsequenz ist halt nur, dass es dadurch auch nicht mehr so viel zu berichten gibt.

Andererseits habe ich seltener das Bedürfnis, mir Dinge von der Seele zu schreiben, da ich diese krassen Tiefpunkte in meinem Leben einfach nicht mehr habe. Wofür ich sehr dankbar bin. Es zeigt mir, dass es stetig bergauf geht und dass sich all der Aufwand, den ich in Therapien investiert habe, auch wirklich lohnt.

Ein weiterer Grund für die wenigen neuen Artikel und Podcast-Folgen liegt an meinem neuen Alltag. Ich bin mehr und mehr zeitlich eingespannt und finde kaum noch Zeit für neue Texte auf dieser Webseite. Aber auch das ist gut, denn es ist ein positives Eingespanntsein-ins-Leben. Beispielsweise habe ich eine neue Webseite ins Leben gerufen.

Jetzt könnte man vielleicht fragen, warum ich die Webseite dann überhaupt noch habe. Die Antwort ist ganz simpel: Damit Menschen davon profitieren können, was ich durchlebt und reflektiert habe. Das war schon immer die Vision vom Krisenwandler. Ich will, dass sich Menschen in Lebenskrisen in meinen Themen wiederfinden und spüren, dass sie nicht alleine sind. Und natürlich möchte ich ihnen Anstöße geben und Möglichkeiten aufzeigen, wie sie aus ihrer Krise herauskommen können. Auch wenn das, was bei mir geholfen hat, selbstverständlich nicht bei jedem funktionieren muss.

Trotz des geringen zeitlichen Aufwandes in meine Webseite habe ich dieses Jahr zwei – nennen wir es mal – “Erfolgsgeschichten” erlebt.

Erfolgsgeschichten mit dem Krisenwandler

Die eine Erfolgsgeschichte ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Geschichte – nämlich eine Kurzgeschichte. Die Geschichte über das kleine Chamäleon, das sich sein Leben lang verstellt, um den anderen zu gefallen und dazuzugehören, ist eine ohnehin schon beliebte Kurzgeschichte auf meiner Webseite. Dieses Jahr bekam ich mehrmals positives Feedback dazu. Unter anderem auch eine Anfrage, ob die Geschichte in einer Kindergarten-Zeitschrift abgedruckt werden darf. Natürlich sagte ich zu, auch wenn die Geschichte etwas abgeändert wurde. Erscheinen wird sie indes erst im Sommer 2021. Bis dahin muss ich geduldig sein, um zum ersten Mal eine eigene Geschichte in einer offiziellen Zeitschrift in der Hand zu halten.

Ironisch ist dabei, dass Authentizität für mich nach wie vor voll das Thema ist. Noch immer verstelle ich mich viel zu oft, um anderen Personen zu gefallen oder um nicht aufzufallen. Ich wäre sehr gerne wie der gereifte Protagonist meiner eigenen Geschichte.

Die zweite Erfolgsgeschichte stammt aus dem Sommer diesen Jahres. Im August schrieb mich ein Leser an. Er meinte, dass er über die Berufswiedereinstiegs-Serie auf meine Webseite aufmerksam wurde und sich in sehr vielem wiederfinden würde. Und da er herausfand, dass wir aus der gleichen Stadt kommen, hatte er mich angeschrieben und wollte sich mit mir treffen, um über seine Lebenssituation zu reden. Um ehrlich zu sein, war ich am Anfang doch sehr skeptisch. Aber auf der anderen Seite ist es ja wie gesagt mein Anspruch, mit meiner Webseite psychische Erkrankungen zu enttabuisieren. Also sagte ich zu. Mittlerweile ist daraus ein für mich wichtiger Kontakt geworden. Wir treffen uns regelmäßig, um uns bei einem Spaziergang über unsere derzeitige Befindlichkeit auszutauschen.

Diese beiden Erfolgsgeschichten allein sind es schon wert, dass ich das Projekt mit dieser Webseite damals gestartet habe. 🙂

So habe ich Corona und den Lockdown wahrgenommen

Wie zu erwarten war, komme auch ich in meinem Jahresrückblick 2020 nicht darum herum, darüber zu berichten, wie ich Corona und den Lockdown wahrgenommen habe. Am Anfang schien die Gefahr sehr entfernt und ich habe innerlich immer gedacht: “Das wird schon nicht bis nach Deutschland oder Europa kommen.” Als dann aber die Krankheit immer näher kam und sich langsam in Deutschland ausbreitete, wusste ich, dass es eine große Herausforderung werden würde. Sowohl für mich als Einzelperson als auch für die Gesellschaft.

In der Anfangszeit hatte ich logischerweise sehr große Angst. Bei jedem noch so kleinen Halskratzen hatte ich den Gedanken, es könnte ja Corona sein. Und da die Krankheit beziehungsweise deren Verlauf zu diesem Zeitpunkt noch relativ unbekannt waren, versetzte mich das in Panik. Zum Glück konnte ich diesen Zustand relativ schnell unter Kontrolle bringen. Ich hatte nur ein, zwei leichte Anflüge einer Panikattacke. Dann habe ich mich innerlich beruhigt.

Der Lockdown war dann gefühlsmäßig sehr unreal. Es war eine Situation, die es nie zuvor gegeben hatte. Und das fühlt sich selbstverständlich sehr seltsam an. Das Schwierigste in der Zeit des ersten Lockdowns war die Einsamkeit. Ich habe sehr darunter gelitten, zumal ich mir für 2020 explizit vorgenommen hatte, mehr auf Menschen zuzugehen. Der Sommer war dann OK, während der zweite Lockdown im Herbst erstmal wieder voll auf meine Gemütslage geschlagen hat. Mittlerweile habe ich mich wieder gefangen.

Spannend waren für mich auch die Parallelen zwischen der Corona-Situation und meinem Breakdown am Anfang des Burnouts. Damals hatte ich viele körperliche Symptome, die auf eine Magendarmgrippe oder eine funktionelle Störung hindeuteten. Ich dachte, das würde nach spätestens ein paar Wochen wieder weg sein und alles sei normal. Aber es hat mein Leben nachhaltig verändert und die Normalität von vor dem Burnout wird es wahrscheinlich nie wieder für mich geben. Ebenso war es mit der Corona-Krise. Viele hofften, nach ein paar Monaten wäre wieder alles wie vorher. Das hoffte ich zwar auch. Allerdings geriet meine Welt nicht so stark ins Wanken, als ich merkte, dass es sich alles noch ein bisschen hinziehen würde.

Mobilität

Ein Vorsatz, den ich mir letztes Jahr ganz bewusst vorgenommen habe, war, an meinem Thema Mobilität zu arbeiten. Sprich: Meine Angst vorm Autofahren und Fahrradfahren zu überwinden. Und das habe ich 2020 getan. Es war wohl das Thema, an dem ich in diesem Jahr am intensivsten gearbeitet habe.

Obwohl ich 2018 meinen Führerschein gemacht habe, bin ich danach kaum Auto gefahren. Das hatte eine Vielzahl an Gründen, die ich gar nicht alle hier im Detail aufdröseln kann. Vor allem hatte ich kein Geld für ein eigenes Auto und perspektivisch habe ich auch gar nicht vor, die öffentlichen Verkehrsmittel durch das eigene Auto zu ersetzen. Dafür bin ich viel zu öko… Das Ziel war jedoch, dass ich flexibler werde. Dass es mich frei macht, zu wissen, bei Bedarf überall hin zu kommen. Diese Unabhängigkeit sollte die chronische Ohnmacht besiegen. Zumindest war das der Plan.

Ich musste jedoch feststellen, dass ich wahnsinnig viel Angst hatte, alleine mit dem Auto zu fahren, was wie gesagt mehrere Gründe hatte. 2020 habe ich mich diesen Ängsten bewusst gestellt. Oder anders ausgedrückt: Im August musste ich schweißgebadet nach 10 Minuten Fahren aussteigen und eine Woche Pause vom Fahren machen, weil ich nervlich so fertig war. Ein paar Monate später nach der dauerhaften Konfrontation mit der Angst habe ich einen Minijob im Fahrdienst. Und dass es soweit gekommen ist, macht mich schon ein bisschen stolz. Es ist mein größter Erfolg 2020.

Meiner Angst vor dem Fahrradfahren habe ich mich auch gestellt – wenn auch nicht so intensiv. Im September bin ich das erste Mal nach knapp 10 Jahren wieder gefahren. Das Gefühl von Freiheit war schon geil! Und es hatte auch ein bisschen Erinnerungen an meine Kindheit wiedergebracht. Wahrscheinlich werde ich 2021 weiter darauf aufbauen und mir ein eigenes Fahrrad zulegen. Übrigens hatte ich die Fahrrad-Tour mit demselben Bekannten gemacht, den ich erst dieses Jahr über den Krisenwandler kennengelernt habe. Was für eine krasse Fügung!

Weitere Learnings in 2020

In diesem Jahr gab es darüber hinaus auch einige Lerneffekte, die ich in meinem Leben hatte. Diese möchte ich zumindest kurz anreißen.

Das größte Learning war für mich, dass sich Dinge ändern dürfen. Dass das, was vor einem Monat vielleicht noch total sinnvoll war, auf einmal keinen Sinn mehr für mich macht. Speziell beim Sport habe ich das dieses Jahr gemerkt. Ich hatte Ende 2019 mit dem Hapkido angefangen und mir für 2020 vorgenommen, dass ich den Sport benutzen werde, um an meinem Urvertrauen-Thema zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt war es der perfekte Sport.

Ein halbes Jahr später merkte ich jedoch, dass es vielleicht doch nicht mehr das Richtige für mich sei und ich begann, alles zu überdenken. Aber ich zögerte damit, die Kündigung zu schreiben. Mein Verstand argumentierte, dass es nicht falsch sein könnte, wenn es sich vor ein paar Monaten doch noch so stimmig angefühlt hat. Ich haderte, bis ich merkte, dass das einzige, was zählt, das Hier und Jetzt ist. Fühlt es sich jetzt noch stimmig für mich an? Wenn nicht, dann ist es egal, was vor einem halben Jahr war. Im Leben geht es darum, immer das Beste für die aktuelle Situation zu finden.

Das zweite große Learning war, dass viele meiner körperlichen Symptome, die ich immer noch habe, auf dem zu hohen Druck beruhen, unter den ich mich selbst setze. Durch meinen f**king Perfektionismus. Außerdem will ich zu viele Dinge zugleich. Gerade zum Ende des Jahres hat es mir extrem geholfen, einfach mal mein Pensum radikal herunterzufahren. Vor allem aber habe ich eine innerliche Gelassenheit entwickelt. Ich habe gelernt, so gut wie alles mit einem inneren Lächeln anzugehen, sodass mich die Dinge weniger stressen.

Und 2021?

Gemessen an der Zahl der Wörter ist dies wohl nun mein längster Jahresrückblick geworden. Vorsätze für das kommende Jahr werde ich mir allerdings keine nehmen. Da sich die Dinge ständig ändern, wie ich gelernt habe, möchte ich bereit sein, mich dem zu stellen, was sich gerade richtig anfühlt. Aber das möchte ich nicht mehr planen. Ich vertraue darauf, dass mich das Leben schon vor die richtigen Herausforderungen stellt. Vor allem habe ich die Idee mit meiner Autobiografie temporär aufgeschoben, weil es nach 2019 auch 2020 wieder nichts damit geworden ist.

Ich glaube, das einzige, das ich mir wirklich vornehme, ist, mir ein Fahrrad zu kaufen. Ansonsten gibt es noch ein paar Wünsche, die ich dem lieben Universum übersende. Vielleicht wird der eine oder andere erfüllt. Vielleicht aber auch nicht.

 

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**Titelbild des Beitrags by Kelly Sikkema on Unsplash

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