Leistungsgedanken (3)

Leistungsgedanken
Bildquelle: pixabay.com (Bild bearbeitet)

In dieser Artikel-Serie werden Marco Zander und ich abwechselnd Artikel über das für unsere Gesellschaft typische Leistungsdenken und dem damit verbundenen Thema Burnout schreiben. Die Idee ist, dass so eine Art Konversation zwischen uns beiden Autoren entsteht, die wir offenlegen.
In Teil 3 der Serie nimmt Marco Bezug zu den von mir in Teil 2 beschriebenen Verhaltensmustern.

Hey Didi,
erstmal danke für die Nicht-Analyse meines Verhaltens hier öffentlich. Das mach ich selbst so schon genug, sowohl hier als auch so höchstpersönlich im eigenen Kopf, wenn das dann auch noch andere Menschen öffentlich machen, wird mir das vielleicht irgendwann zu viel.
Ich möchte kurz ein paar Sätze zu deinem “Ich würde sagen, die Lösung liegt in der Kommunikation mit dem eigenen Körper.” verlieren: Ja, das glaube ich sofort. Ich habe zudem das Gefühl, dass dieser Kontakt zum eigenen Körper noch mehr verloren geht, weil wir das auf den Körper Hören outsourcen.

Das Handy sagt immer mehr Leuten, wann sie denn jetzt mal wieder fünf Minuten achtsam sein sollten, das Fitbit-Armband, dass es an der Zeit ist, jetzt aufzustehen und die nächste App, sorgt dafür, dass ich nicht vergesse zu trinken. Entmündigende Tendenzen scheinen durch.
Ich bin in mancher Hinsicht gar nicht so technikaffin, wie man bei meiner ganzen Selbstoptimierung vermuten könnte, bin aber trotzdem keine Ausnahme dieses Kontrollzwangs: Anstatt auf so ein vages Hungergefühl zu hören, werden lieber die angenehm kontrollierbaren 200g Haferflocken mit ihren 722 Kcal vor dem Essen abgewogen. Diese Tendenz: über das penible Optimieren, Verständnis für den eigenen Körper und seine Person zu verlieren, sehe ich immer mehr. Wir verlieren die Fähigkeit zu unterscheiden, was Hunger, was Appetit; was Bedürfnis, was Wollust ist. Apps können eine angenehme Hilfe sein, um persönliche Schwächen zu kompensieren, aber darüber verschlimmbessern sie das Problem eher. Ein weiteres Beispiel: Ich als Navigationslegastheniker setze immer auf Google Maps. Das verschlechtert meinen Orientierungssinn aber noch mehr, weil ich ihn nicht schule. Geht mir dann aber mal der Akku aus, bin ich verloren.
Naja — soviel des Exkurses zum Thema “auf den eignen Körper hören”. Fazit: Auf den Körper hören muss auch trainiert werden, das übernimmt keine App für einen.
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Zu deinen Fragen:

Was sind meine Kraftquellen?
Die einfache Antwort: Sport ❤
Aber da hattest du ja bereits angeschnitten, dass das als alleinige Kraftquelle womöglich nicht so das Ideal darstellt. Da ich aber natürlich das Ideal in Persona bin, kann das nicht meine einzige Kraftquelle sein.

Trotzdem: Mein Sport und die damit verbundene Routine, geben mir schon Kraft. Das ist etwas zum Festhalten und tut gut, insbesondere, wenn es an einem Tag mal so gar nicht läuft, dann weiß ich zumindest, dass ich beim Sport war.
Nichtsdestotrotz bin ich — so toll es ist — auch hier in der Lage, mich in etwas zu verrennen.
Da hilft mir dann das Gespräch mit einem Freund, der sich in meinen Augen die Legitimität erworben hat, mir zum Maß halten zu raten. Weil er es, erstens auf eine ziemlich objektive Weise gut mit mir meint und nicht nur halbherzige Ratschläge, sondern echt empathische Alternativen vorbringt. Und sich zweitens auch eine gewissen Expertise auf dem Gebiet angeeignet hat.
Und jetzt habe ich hier vom Sport gesprochen, meine damit aber noch viel mehr Gebiete, auf denen man halt so struggelt und bei denen es mir hilft, wenn es da ein paar wenige Menschen gibt, von denen ich mein Verhalten reflektiert bekomme und dies dankbar annehme, auch wenn es im ersten Moment manchmal ein klein wenig weh tut.

Bei all dem ist es eben auch für mich eine Lebensaufgabe, Maß zu halten zwischen Leisten und Pausieren, Regeln und Ausnahmen. Ich versuche zumindest auf ein paar der weisen Worte, die um mich herum gesprochen werden, zu hören und irgendwo auch selbst meinen Weg zwischen all dem zu finden.
2. Was mich antreibt?
Hebe ich mir für einen nächsten Post auf. Erstens ist das kompliziert, zweitens sehr persönlich, drittens wird der Post dann zu lang.
3. Ob ich nach wie vor Angst habe, mich könnte das gleiche Schicksal wie dich ereilen?
Ja. Aber die Angst davor ist vielleicht ganz gut, um es im Endeffekt zu verhindern.

Marco Zander

hier geht’s weiter zu Teil 4 der Serie
alle Artikel der Serie

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Über den Autor:
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