Leistungsgedanken (4)

Leistungsgedanken
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In dieser Artikel-Serie werden Marco Zander und ich abwechselnd Artikel über das für unsere Gesellschaft typische Leistungsdenken und dem damit verbundenen Thema Burnout schreiben. Die Idee ist, dass so eine Art Konversation zwischen uns beiden Autoren entsteht, die wir offenlegen.
Nachdem Marco im letzten Teil das gesellschaftliche Phänomen der Auslagerung der eigenen Körperkommunikation beschrieben hat, möchte ich nun der Frage nachgehen, wie ich mein Burnout hätte verhindern können.

Servus Marco,
als allererstes muss ich sagen: Hut ab! Du hast in deinem Text den Ist-Zustand unserer Gesellschaft bezüglich der Kommunikation mit dem eigenen Körper so schön herausgearbeitet, dass ich dem nichts mehr hinzuzufügen habe. Auch von Entmündigung zu sprechen, finde ich eine absolut gerechtfertigte Schlussfolgerung. Und wie du muss auch ich mich da an die eigene Nase fassen, weil ich doch immer dazu neige, meine Verantwortung abzugeben, anstatt auf das eigene sogenannte Bauchgefühl zu hören. Es ist wohl einfach ein ständiges Training, seine Körpersignale zu deuten und – noch viel wichtiger – ihnen auch zu vertrauen.

Bezüglich deiner Kraftquellen will ich auch noch ein paar Worte verlieren. Du schreibst, dass dir der Sport eine gewisse Routine gibt, was ich ehrlich gesagt auch nichts Verwerfliches finde. Ich habe auch Dinge, die für mich Routine darstellen und mir deshalb Sicherheit geben. So lange man sich nicht selbst ausbeutet oder in zwanghaftem Verhalten endet (ich weiß, wovon ich spreche), ist das meiner Ansicht nach vollkommen legitim. Mir zum Beispiel gibt es ein Gefühl von Sicherheit, wenn ich weiß, dass ich jeden Montag die selbe Strecke im Wald spazieren gehe, nachdem ich vormittags meine Einkäufe erledigt habe. In diesem Sinne ist Routine auch eine Art Kraftquelle.

Die andere von dir beschriebene Kraftquelle, nämlich Freunde, mit denen man tiefsinnige Gespräche führen kann, sehe ich als besonders wertvoll an. Wie du schon beschreibst, ist es wichtig, dass sie einen auch ernst nehmen und einem mit Empathie begegnen. Ich persönlich hatte in der Vergangenheit häufig Gesprächspartner, die sich einfach nur in ihrer Rolle als Ratgeber gefallen haben, obwohl sie einem gar nicht zuhören. Ich bin froh, mittlerweile auch gute Zuhörer in meinem Freundeskreis zu haben. Und ich stimme dir auch dahingehend zu, dass man sich untereinander den Status des guten Freundes erst verdienen muss. Von daher ist eine innige Freundschaft etwas, in das man auch investieren muss.
Aber bevor ich jetzt zu weit abschweife… Ich habe die ganze Zeit so weise herumgeschwallt, da darf man sich von Leserseite aus durchaus fragen:
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Wie hätte ich meinen Burnout denn verhindern können mit meinem aktuellen Kenntnisstand?

Eine Frage, die du, Marco, sogar schon im ersten Teil gestellt hast. Um genau zu sein, wolltest du wissen: Wie hätte ich mein Burnout verhindern können und gleichzeitig produktiv sein?
Klar ist: Mit dem Wissensstand von damals hätte ich es nicht verhindern können. Und auch wenn ich mein Burnout mit meinem heutigen Wissen hätte verhindern können, so ist mein erster Gedanke beim Schreiben dieses Textes: „Ich will mir die Frage gar nicht stellen, ob ich all dies hätte verhindern können!“ In der Tat bin ich froh, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist, auch wenn das etwas seltsam anmuten mag. Denn die Krankheit hat mir erst die Augen geöffnet, sodass ich mein Leben und meine Werte komplett überdenken und verändern konnte. Und durch diese Veränderungen haben sich neue Türen geöffnet, neue Menschen sind in mein Leben getreten, die ich heute gar nicht mehr missen möchte. (Und hey: Auch mein Blog würde ohne meine Lebensgeschichte gar nicht existieren!) Durch die Krankheit habe ich wahnsinnig viele Erkenntnisse – vor allem über mich selbst – gewinnen können.

Es gibt ein schönes Konfuzius-Zitat: „Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln: Erstens durch Nachdenken, das ist der Edelste; zweitens durch Nachahmung, das ist der Leichteste; dittens durch Erfahrung, das ist der Bitterste.“ Ganz offensichtlich habe ich mir die dritte Möglichkeit ausgesucht. Ich denke, es liegt in der Veranlagung des Menschen, dass wir manche Dinge erst falsch machen müssen, um daraus zu lernen. Aber ich denke ebenso (auch wenn das etwas esoterisch klingen mag), dass alles richtig ist, so wie es passiert. Wie gesagt bin ich dankbar dafür, dass alles so gekommen ist, wie es gekommen ist. Die einzige Frage, die ich mir zu stellen habe, lautet: Wie kann ich ein weiteres Ausbrennen in der Zukunft vermeiden? Ich glaube, die Antwort darauf haben wir in den ersten drei Teilen der Serie schon ausführlich diskutiert. Dennoch möchte ich zu den Schlagworten Balance und Körperkommunikation noch ein paar Gedanken ergänzen. Ich habe nämlich während dem Prozess der letzten fünf Jahre erkennen müssen, dass es auch viel mit Gefühlen zu tun hat. Wenn zum Beispiel ein altes Gefühl von Trauer hochkommt und sich in den Vordergrund drängt, dann ist es für mich immer das Beste gewesen, diesem Gefühl Raum zu geben, anstatt dagegen anzukämpfen. Wie das aussehen kann, habe ich in einem meiner allerersten Blog-Beiträge geschildert.
So, nun hoffe ich, bin ich nicht all zu weit vom Thema abgekommen. Wie dem auch sei, es würde mich interessieren, wie du über all dies denkst.

Didi Burnault

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