Leistungsgedanken (5)

Leistungsgedanken
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In dieser Artikel-Serie werden Marco Zander und ich abwechselnd Artikel über das für unsere Gesellschaft typische Leistungsdenken und dem damit verbundenen Thema Burnout schreiben. Die Idee ist, dass so eine Art Konversation zwischen uns beiden Autoren entsteht, die wir offenlegen.
Im fünften Teil der Serie wird es nun erstmals kontrovers, da Marco meine „Alles ist gut so, wie es ist“ Haltung aus Teil 4 kritisch hinterfragt.

Hallo mal wieder Didi,
ich komm direkt zur Sache und zwar zum ersten Teil deiner Antwort. Ich will nicht, dass das falsch rüberkommt, will aber ehrlich sein. Erstens finde ich es natürlich schön, dass du dadurch — wie du sagst — auch viel über dich selbst gelernt hast und jetzt retrospektiv sagst: „Es ist gut, dass es so passiert ist.“ Gleichzeitig finde ich dieses Argument (das kann man ja in vielen Lebenssituationen bringen) immer wenig hilfreich, weil es alle Handlungen egal macht. Das fühlt sich aber für mich nicht richtig an und ich glaube auch nicht, dass es so egal ist. Wenn man am Ende aber eh aus Fehlern am meisten lernt, wozu dann richtig machen. Weißt du, was ich mein? Außerdem — aber hier geht es jetzt wirklich nur darum, dass ich meine Gedanken zu diesem Argument loswerden will — denke ich, dass bei dieser Art der Argumentation immer ein „Survivorship“-Bias mit drin ist. Die Leute, die es dann nicht wieder auf die Bahn geschafft haben, kommen nicht dazu, ihre Geschichte zu erzählen. Die, die nicht sagen können, dass es wieder gut geworden ist, bleiben still. Aber da sind wir jetzt bei einem viel breiteren Thema als „Burn-Out“ oder „Depression“. Das ist nur einfach ein Grundthema, das mich schon eine Weile begleitet: Ist es wirklich so oft gut, dass es so passiert ist, wie man sich das selbst sagt oder man das zu hören bekommt?

Jetzt zum zweiten Teil deiner Antwort: Ich habe direkt mal den Blogpost gelesen. Hat mir sehr gut gefallen. 🙂 Und habe dazu auch eine Frage:
Die Gefühle mitzunehmen finde ich einen sehr richtigen Ansatz. Ich glaube, die Erlaubnis (in deinem Fall, traurig zu sein), ist echt wichtig, weil man in dem Moment eben traurig ist und dann auch häufig sogar traurig sein will. Wenn man sich dann erst verbieten muss, traurig zu sein, wird man sich nie aufraffen, etwas zu tun und rauszukommen. So kann man dann viel ehrlicher die Traurigkeit, die man fühlen will, loslassen, als wenn man sie aus einer Art Pflichtgefühl wegschieben „muss“. Auch wenn das vielleicht auf den ersten Blick erstmal abwegig erscheint, dass man sich traurig fühlen möchte.
Meine Frage ist jetzt: Woran zeigt sich dir selbst, dass du dir erlaubst, die Traurigkeit mitzunehmen? Hast du da irgendeinen Trick, damit es dir leichter fällt, dich zu überwinden oder dir zu glauben, dass traurig zu sein jetzt wirklich in Ordnung ist. Oder reicht es dir einfach nur zu sagen, dass du dir das jetzt erlaubst? Dann vielleicht eher die Frage: Wie hast du die Traurigkeit gezeigt oder wie konntest du sie auf dem Tanzabend noch fühlen anfangs?
Wie immer:

Marco Zander

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Über den Autor:
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