Berufswiedereinstieg

Mein Berufswiedereinstieg nach Burnout (1)

Berufswiedereinstieg

Als mich Mitte zwanzig meine chronische Erschöpfung regelrecht ausbremste, kam das für mich schon ziemlich überraschend. Ebenso brauchte ich eine Weile, um mich damit anzufreunden, das sei alles psychisch bedingt. Denn bis dato hatte ich in meinem Leben noch nie mit psychischen Erkrankungen zu tun. Es warf außerdem alle beruflichen Pläne über den Haufen, die ich mir bis dahin gesteckt hatte.
Deshalb möchte ich nun eine Artikelserie starten, in der ich beschreibe, wie ich trotzdem wieder meinen Weg ins Berufsleben gefunden habe (beziehungsweise wie ich dabei bin, ihn wieder zu finden).
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Einstieg oder Wiedereinstieg?

Für diesen Einstiegsartikel habe ich mir einige essentielle Fragen stellen müssen: Wo genau fange ich mit meiner Schilderung an? Handelt es sich um einen Berufseinstieg oder um einen BerufsWIEDEReinstieg?
Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich Ende 2014 mein Master-Studium erfolgreich abgeschlossen habe. Bis dahin hatte ich schon einige Nebenjobs gehabt – teilweise auch in der Branche, in der ich studiert habe (nämlich in der Medienbranche). Einen Monat vor meinem Abschluss hatte ich meinen Nebenjob bei einer Werbeagentur verloren, was für mich allerdings eine schöne Fügung war, weil er mir keinen Spaß machte und ich mich ausgebeutet fühlte. Die Werbe- und Marketing-Branche war einfach nichts für mich.

Ich entschloss mich daraufhin, nach Abschluss meines Studiums einen Halbtagsjob zu suchen, sodass ich die andere Hälfte meiner Zeit beruflich selbstständig gestalten könnte mit dem Ziel, irgendwann komplett auf eigenen Beinen zu stehen. „Nebenberufliche Selbstständigkeit“ nennt man dieses Modell, das insofern ganz schön ist, als dass man am Anfang durch den Angestellten-Job so eine Art sicheres Standbein hat.

Naja, letztlich ist aus diesem kühnen Vorhaben nichts geworden, da ich Anfang 2015 kräftemäßig total zusammenbrach. Zugegebenermaßen war die chronische Müdigkeit schon immer ein Begleiter und ich hätte es kommen sehen müssen. Tat ich aber nicht. Und so war ich dann Anfang 2015 in einer psychosomatischen Klinik. Ich hatte keinen Job, aber dafür ein abgeschlossenes Studium in der Hinterhand. Eigentlich eine ganz angenehme Situation, da ich mich so voll auf meine Genesung konzentrieren konnte. Und exakt das tat ich in dieser Lebensphase auch – während der Zeit in der Klinik und danach.
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Neustart bei Null: Hartz IV

Ein Aspekt war bei der ganzen Angelegenheit allerdings ein wenig doof: Meinen Lebensunterhalt finanzierte mir meine Mutter. Das war deshalb ein wenig ungünstig, weil ich die Therapien gleichzeitig nutzte, um meinem Frust ihr gegenüber Luft zu machen. Bei all den Vorwürfen ihr gegenüber war es teilweise schon eine Art Abrechnung. Das tat zwar echt gut. Auf der anderen Seite begleitete mich ein mulmiges Gefühl. Schließlich war sie ironischerweise auch gleichzeitig der Mensch, der mich bildlich gesprochen nährte. Deshalb musste ich eine Lösung finden, um mich von ihr in finanzieller Hinsicht abzunabeln. Und da ich viel zu fertig war, um irgendwie arbeiten zu gehen, konnte die Lösung nur darin bestehen, Hartz IV zu beantragen. Das kostete mich einiges an Überwindung, weil ich mich an den Gedanken erstmal gewöhnen musste. Das kam in meinem Lebensplan bisher gar nicht vor und ich hätte es mir wohl früher nie vorstellen können, irgendwann mal Hartz IV zu beziehen. Ich merkte, dass ich gewisse Vorurteile gegenüber Hartz IV Beziehern hatte. Und nun war ich selber einer von ihnen. Ich schämte mich.

Ich muss an der Stelle außerdem noch erwähnen, dass die Antragsstellung eine Tortur war, die sich über mehrere Monate hinzog. Aber irgendwann hatte ich es dann geschafft und der Antrag war durch. Danach tauchten allerdings die nächsten Fragen auf: Würde ich mit dem Geld über die Runden kommen? Müsste ich Einschnitte meiner Lebensqualität in Kauf nehmen? Müsste ich auf irgendwelche Dinge in Zukunft verzichten?
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Psychotherapie als Hauptjob

Nach einer Weile lernte ich, mit dem wenigen Geld hauszuhalten. Das lag wohl auch daran, dass ich ganz gut im Planen und Kalkulieren bin. Jedoch tauchte ein anderes Problem auf: Ich hatte so etwas wie ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht für dieses Geld arbeitete. Deshalb sagte ich mir, dass Psychotherapien zu der Zeit mein Hauptberuf seien und dass diese mindestens genauso anstrengend seien wie ein bezahlter Job. Ich hatte diesbezüglich noch die Worte des Chefarztes der Klinik in den Ohren: „Psychotherapie ist Schwerstarbeit.“

Im nächsten Teil werde ich erklären, was die Abkürzung RPK zu bedeuten hat und was sie mit meinem Leben zu tun hat.

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