Mein Berufswiedereinstieg nach Burnout (2)

Berufswiedereinstieg
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Nachdem ich im ersten Teil ausführlich den Status Quo meines Lebens vor und nach der Klinik beschrieben habe, möchte ich nun auf eine Empfehlung eingehen, die man mir in der Klinik gab.

Die ersten Wochen in der Klinik drehten sich primär um meine Gesundheit, meine Vergangenheit und meine Familiengeschichten. Erst gegen Ende ging es immer häufiger darum, wie es für mich nach der Klinik weitergeht. Die Vorstellung, nach elf Wochen Aufenthalt vollständig genesen zu sein und zur Tagesordnung überzugehen, entpuppten sich als völlige Utopie. Der Oberarzt und meine Leittherapeutin gaben mir zwei Dinge mit auf den Weg. Zum einen sollte ich unbedingt einen Psychotherapeuten finden, um weiter therapeutisch an mir arbeiten zu können. Zum anderen fiel immer wieder der Begriff „RPK“. Doch was bedeutet dieser überhaupt?
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Der Begriff „RPK“

Als ich den Oberarzt in einem der Gespräche fragte, was denn dieses RPK sei, erklärte er mir, dass es eine Abkürzung sei für „Rehabilitation psychisch Kranker“. Da war ich erstmal geschockt! So ernst war meine Lage also: Ich bin ein psychisch Kranker. Zum Glück sah der Oberarzt mir mein Entsetzen an und probierte, den Begriff zu entkräften: „Das klingt jetzt etwas härter, als es ist. Dort sind nicht nur Leute mit starken Psychosen, sondern auch Leute mit einer ähnlichen Lebensgeschichte wie Ihre.“ Meine Leittherapeutin griff ein Beispiel auf und sagte mir, sie hätte auch mal einen Patienten betreut, der genau wie ich aus der Medienbranche kam, aber nach seinem Klinikaufenthalt nicht kreativ arbeiten konnte. Stattdessen wurde er durch die RPK über eine handwerkliche Tätigkeit in das Berufsleben integriert, um später doch wieder kreativ tätig zu sein. Das klang zugegebenermaßen nach einem guten Plan für mich. Denn eins wusste ich die ganze Zeit schon: Wenn ich endlich wieder richtig gesund bin, dann will ich auch wieder im Musik- und Sound-Business arbeiten. Schließlich hatte ich die letzten Jahre auf diesen Kindheitstraum hingearbeitet. Aber bis es erst einmal soweit ist, muss ich mich mit einem Alternativplan anfreunden. Einer kleinen Umleitung auf meinem Lebensweg.
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Ambulant oder stationär?

Um noch einmal auf den Begriff RPK zurückzukommen: Derartige Einrichtungen gibt es überall in Deutschland verteilt. Dabei gibt es zwei unterschiedliche RPK-Typen – welche für einen ambulanten und welche für einen stationären Aufenthalt. Das generelle Konzept bei allen Einrichtungen ist, dass man sowohl psychotherapeutisch als auch berufsbegleitend unterstützt wird. Insgesamt dauert so eine Maßnahme etwas sechs bis zwölf Monate.
Die erste Einrichtung, für die ich mich interessierte, war eine ambulante RPK in der nächstgelegenen Großstadt. Ich schaute sie mir bei einer Infoveranstaltung an und merkte, dass es gar nicht passte. Das Personal fand ich nicht sympathisch. Das Programm überzeugte mich nicht. Und außerdem hätte ich wohl auch in diese Stadt ziehen müssen, weil es keine Option darstellte, jeden Tag dorthin und zurück zu pendeln. Also: Diese RPK-Institution wurde es nicht.
Die zweite, die ich mir anschaute, war das genaue Gegenteil von der ersten. Die Einrichtung war in einem kleinen Dorf in der Nähe meiner Heimatstadt und bot ausschließlich stationäre Aufenthalte an. Das hätte gut gepasst: Unter der Woche RPK irgendwo auf dem Land und am Wochenende nach Hause fahren. Der Rest hatte sowohl positive als auch negative Seiten, sodass ich echt hin und her gerissen war. Mich störte vor allem, dass die berufsbegleitenden Maßnahmen sehr viel mehr Raum einnahmen als die psychotherapeutischen Angebote. Und ehrlich gesagt überzeugte mich auch hier das Therapie-Angebot nicht vollends. Dem gegenüber standen zwei tolle Aspekte: Zum einen gab es eine Art Musik-Selbsthilfegruppe, die sich immer einmal die Woche traf und von einem Therapeuten vom Schlag Sean Maguire (gespielt von Robin Williams in „Good Will Hunting“) geleitet wurde. Das absolute Schmankerl aber war, dass diese RPK mit einem namhaften Unternehmen aus der Audio-Branche kooperierte, bei dem ich dann hätte arbeiten können.
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… also doch keine RPK

Boah, das war echt eine Zwickmühle. Selten hatte ich in meinem Leben eine derartige 50:50-Entscheidung zu treffen, wo die Wahl so verdammt schwer fiel. Letztlich entschied ich mich gegen die RPK. Der Grund war, dass ich meine derzeitige Psychotherapeutin hätte aufgeben müssen. Und das, wo wir doch gerade so ein vertrauensvolles Verhältnis hatten, das eine sehr konstruktive Arbeit möglich machte. Mich störte zudem am RPK-Konzept generell das Fremdbestimmtsein, da andere Menschen dann meinen Tagesablauf planen würden. Und das Argument mit dem Audio-Unternehmen konnte ich auch entkräften. Denn ich hätte mich später dort ja auch auf eigene Faust bewerben können. Also: Doch keine RPK-Maßnahme – trotz Klinik-Empfehlung.
Da ich aber den Ratschlag aus der Klinik sehr ernst nahm, entwickelte ich einen neuen Plan daraus: „Ich baue mir einfach mein eigenes RPK zusammen.“ Anfang 2016 startete ich zunächst einen Qi Gong Kurs als gesundheitsfördernde Maßnahme. Meine Psychotherapie(n) behielt ich ja sowieso bei. Letztlich musste ich also lediglich noch einen Weg finden, mich arbeitstechnisch auszuprobieren. Diese Belastbarkeitserprobung müsste ich dann stetig steigern, bis ich wieder komplett stabil wäre.
So viel zum theoretischen Konzept. Wie genau das in der Praxis aussah, möchte ich im nächsten Teil der Serie schildern.

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