Mein Berufswiedereinstieg nach Burnout (3)

Berufswiedereinstieg
Bildquelle: pixabay.com

Im zweiten Teil der Serie habe ich geschildert, was eine RPK-Einrichtung ist und warum sie letztlich für mich nicht in Frage kam. In diesem Teil werde ich nun beschreiben, wie ich mir trotzdem nach dem Vorbild einer RPK berufsbegleitende Maßnahmen geschaffen habe, um meinen Weg zurück in die Arbeitswelt zu finden.

Da ich damals 2016 mehrere Monate (insgesamt sogar mehr als ein Jahr lang) gar nicht gearbeitet hatte, weil ich so intensiv mit Psychotherapien beschäftigt war, konnte der erste Schritt nur lauten, mich auszutesten. „Belastbarkeitserprobung“ ist hier das große Zauberwort. So hätte nämlich auch die erste Phase in der RPK ausgesehen. Man hätte mir kleine handwerkliche Arbeiten gegeben, um zu sehen, wozu ich im Stande bin. Dann hätte man als nächstes das Pensum langsam gesteigert.
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Belastbarkeitserprobung! Aber wo?

Meine Aufgabe bestand jetzt also darin, genau so etwas auch zu finden. Das Problem dabei war nur, dass ich meine körperliche Verfassung einfach gar nicht einschätzen konnte und ich Angst hatte, einen Job eventuell gar nicht erledigen zu können. Oder aber mein wöchentliches Stunden-Pensum wäre so gering gewesen, dass ich für keinen Arbeitgeber attraktiv gewesen wäre. Außerdem stand die Frage im Raum, wie offen ich bei einem potentiellen Arbeitgeber mit meiner Lebensgeschichte umgehen sollte. Je länger ich darüber nachdachte, desto unmöglicher erschien mir diese Idee. Wie konnte ich bloß einen Arbeitgeber finden, für den es vollkommen in Ordnung ist, dass ich mich nur austesten möchte? Die Lösung sollte lauten: Ehrenamt. Denn dort hätten beide Seiten etwas von meinem vielleicht nur sporadischen Engagement.

Das Erste, was mir in den Sinn kam, waren die hiesigen Tafeln – eine Organisation, die es in fast jeder größeren Stadt gibt und die Essen für Bedürftige ausgibt. Zwar fühlte sich das Vorstellungsgespräch gut an, aber leider war der Verein schon sehr gut aufgestellt mit Helfern, sodass kein Bedarf bestand.
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Vom Finden der passenden Ehrenamt-Stelle

Hmmm, wie sollte ich jetzt eine ehrenamtliche Tätigkeit finden, die zu mir passt? Antwort: Einfacher als gedacht! Ich bin zur Vermittlungsstelle für Ehrenamt in meiner Stadt gegangen, wo man sogar ganz akribisch ein Profil von mir erstellte, mit dem man im Computer passende Tätigkeiten finden konnte. Meine wichtigste Vorgabe dabei war, dass ich mit Menschen zusammen arbeiten wollte, um dem Alleinsein entgegen zu wirken. Zudem wollte ich keine Kopfarbeit verrichten. Ich wollte endlich „raus aus dem Kopf und rein in den Körper“, wie ich es zu sagen pflegte. Aber zu schwere körperliche Arbeit konnte es aufgrund meiner gesundheitlichen Verfassung auch nicht sein.

Das klingt vielleicht auf den ersten Eindruck ein wenig einschränkend. War es jedoch nicht. Denn die Vermittlungsstelle konnte mir sieben Vorschläge unterbreiten, die ich allesamt lukrativ fand. Trotzdem fiel mir die Entscheidung leicht. Von Anfang an lachte mich ein landwirtschaftlicher Betrieb förmlich an. Nicht nur handwerklich arbeiten, sondern das Ganze auch noch draußen an der frischen Luft. Besser hätte ich es mir kaum ausmalen können. Das war genau das, was ich suchte. Die Dame von der Vermittlungsstelle bestärkte mich noch in meiner Entscheidung, indem sie mir verriet, dass sie regelmäßig Leute dorthin vermitteln würde und sich alle dort sehr wohl fühlen würden.
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Also Landwirtschaft…

Ich war voller Tatendrang und konnte es kaum erwarten, ein Vorstellungsgespräch auf diesem Bauernhof auszumachen. Ich vereinbarte relativ kurzfristig einen Termin mit dem Zuständigen namens Gustav (* Name geändert). Die Atmosphäre des Gesprächs war von Anfang an sehr angenehm. Als mich Gustav fragte, was mich hierher führe, sagte ich ganz ehrlich, dass ich unter einem Burnout leide und mich arbeitstechnisch gerne etwas austesten würde. Da erzählte er mir, dass diesen Weg vor mir schon andere gegangen seien. Sie hätten hier auf dem Bauernhof schon einige Helfer mit Depressionen gehabt.

Ich machte mit ihm aus, dass ich erstmal nur einen Vormittag in der Woche käme und immer zu Beginn jeder Woche Bescheid geben würde, an welchem Tag ich käme. Das war für Gustav so vollkommen in Ordnung. Er meinte sogar, dass ich auch jederzeit früher nach Hause gehen könnte, wenn ich mich nicht wohl fühlen würde. Schließlich sei er dankbar, dass ich überhaupt käme.
Was für eine perfekte Ausgangslage!

Welche vielseitigen und spannenden Aufgaben auf dem Bauernhof auf mich warteten, werde ich dann im nächsten Teil der Serie schildern.

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