Mein Berufswiedereinstieg nach Burnout (4)

Berufswiedereinstieg
Bildquelle: pixabay.com

Nachdem ich im letzten Teil der Serie geschildert habe, wie ich eine ehrenamtliche Tätigkeit auf einem Bauernhof gefunden habe, die einer Belastbarkeitserprobung nach RPK-Vorbild entspricht, möchte ich nun die Arbeiten auf diesem Bauernhof vorstellen.

Zuallererst muss ich anmerken, dass die Idee mit der ehrenamtlichen Belastbarkeitserprobung mit dem Jobcenter abgesprochen war. Es war sogar schriftlich fixiert worden in der sogenannten „Wiedereingliederungsvereinbarung“. Dies ist eine Art Vertrag, den man mit dem Jobcenter abschließt und in dem man versichert, dass man konstruktiv daran arbeitet, vom Hartz IV wegzukommen.
Dann muss ich noch ergänzen, dass die Tätigkeit auf dem Bauernhof zwar unbezahlt war, ich aber trotzdem immerhin ein warmes Mittagessen als Ausgleich für mein Engagement bekam. Das war in der Hinsicht eine gute Fügung, als dass ich mit Essen generell ein Thema hatte zu der Zeit (Untergewicht, Appetitlosigkeit, etc). Von daher war es echt schön, mittags gemeinsam mit rund 10 – 20 Leuten zu essen.
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Der erste Arbeitstag auf dem Bauernhof

Ich kann mich noch an meinen ersten Arbeitstag erinnern. Es war ein Dienstag. Ich musste Eier aus einer Rinne einsammeln, die die Hühner aus dem Stall gelegt haben, was gar nicht so einfach war, da die Hühner die Eier zum Teil verteidigten. Diese Eier mussten letztlich nach Größe sortiert und in Kartons abgepackt werden, damit sie frisch im Hofladen verkauft werden konnten.
Dieser erste Arbeitstag dauerte zweieinhalb Stunden, nach denen ich ziemlich erschöpft war. Aber es war zumindest ein angenehmes Erschöpfungs-Gefühl.

Der Bauernhof hatte insgesamt eine sehr familiäre Atmosphäre, sodass ich mich dort schnell wohlfühlte. Eine weitere Aufgabe, die auf dem Bauernhof regelmäßig zu erledigen war, war das Spalten von Holz mithilfe einer großen Maschine. Gustav (* Name geändert), der für mich zuständig war, erklärte mir damals schon im Vorstellungsgespräch: „Selbst wenn gerade keine Aufgaben zu verteilen sind, Holzspalten kannst du immer…“ Das Holz wird dann später für den Holzofen in der Bäckerei verwendet. Für mich hatte diese Tätigkeit immer etwas sehr Meditatives, weil ich dann ganz im Moment gewesen bin, anstatt gedanklich in Vergangenheit oder Zukunft zu hängen.
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Die Vielfalt der Aufgaben

Es gab auch Aufgaben, die mir gar keinen Spaß gemacht haben. Dazu zählte das Ausreißen von Unkraut aus den Feldern, das Bewässern der Obstbäume oder das Kehren der Scheune. Was mir dagegen sehr viel Spaß bereitete, war Gartenarbeit. Diese verrichtete ich in den Sommermonaten im sogenannten Lernort-Garten, der dazu diente, Schülergruppen und Kindergartenkindern bestimmte Pflanzenarten zu zeigen. Außerdem hielten sich dort auch die Schafe auf. Ich merkte in den Momenten immer, wie gut mir die Gartenarbeit tat, weil sie mich erdete. Sie brachte mich raus aus meiner Gedankenwelt und hinein in eine Welt der Sinne. Riechen, sehen, hören, fühlen und fast sogar schmecken. All das tat ich bei der Gartenarbeit. Es war in höchstem Maße therapeutisch, weil ich dann tiefen-entspannt war und das Leben genießen konnte.
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Die „Baumgruppe“

Die schönste Fügung ereignete sich dann im Herbst 2016, als ich das erste Mal Äpfel kelterte mit einer Gruppe, die sich die „Baumgruppe“ nannte. Nach ein paar gemeinsamen Treffen zum Arbeiten wurde ich gefragt, ob ich nicht Teil der Gruppe werde wolle. Ich sagte zu. Da war es wieder: das Thema Zugehörigkeit. Es hat sich gut angefühlt, dazu zu gehören. Fortan war ich auch mit dabei, um die Obstbäume zu pflegen oder neue Bäume anzupflanzen. Das Schönste aber war, als ich irgendwann das Kompliment bekam, ich sei eine Bereicherung für die Gruppe. Ich wurde als Mensch geschätzt. Hach, Wertschätzung ist schon was Tolles!

In 2016 hatte ich es geschafft, meine wöchentlichen Arbeitsstunden zu steigern. Zu Anfang arbeitete ich nur einen Vormittag in der Woche für zweieinhalb Stunden. Im Sommer waren es dann schon drei Vormittage, sodass ich auf ca 10 Wochenstunden kam.
Nach dieser Entwicklung setzte ich mir ein Ziel: Sollte ich irgendwann mal 20 Wochenstunden erreichen, wäre ich bereit für eine bezahlte Halbtagsstelle. Leider musste ich beobachten, dass mein Leistungsvermögen in der kalten Jahreszeit wieder ein wenig zurückging. Also nahm ich mir vor, im folgenden Jahr im Sommer die 20-Stunden-Marke zu knacken.

Am Ende kam jedoch alles anders als geplant. Wie und warum? Das werde ich im nächsten Teil verraten. Dann werde ich auch erzählen, was eine Therapiestunde mit einem Pferd mit alldem zu tun hat.

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