Berufswiedereinstieg

Mein Berufswiedereinstieg nach Burnout (5)

Berufswiedereinstieg

Im vorangegangenen Teil habe ich beschrieben, wie ich auf einem Bauernhof einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgegangen bin, um meine Belastbarkeit zu erproben. Nun möchte ich in diesem Teil schildern, wie und wann ich spürte, dass die Zeit reif war, endlich wieder einem bezahlten Job nachzugehen.

Da ich Anfang 2017 bedingt durch den Winter in einem Leistungstief war, hatte ich erstmal nur den groben Plan, mein Wochenpensum zum Sommer hin zu steigern, um die magische 20-Stunden-Marke zu knacken. Im Frühjahr war die Entwicklung noch nicht so toll, sodass ich sehr unzufrieden war. So wie generell mit meinem gesamten Leben zu dieser Zeit. Einerseits spürte ich meine chronische Erschöpfung sehr stark und fühlte mich durch sie blockiert. Zum anderen machte mir meine Leber und meine chronische Aggression zu schaffen. Die Theorie meiner Therapeutin war, dass die Aggression durch meine nicht ausgelebte Lebensenergie zustande kam. Dass ich mein eigentliches Potential unterdrückte und dass die Müdigkeit verschwinden würde, wenn ich berufsbedingt einen geregelten Tagesablauf hätte. Ich müsste mehr Vertrauen in meine eigene Kraft entwickeln. Also vereinbarte ich mit ihr damals, die nächste Stunde mit dem Therapie-Pferd zu arbeiten. Das Pferd sollte dabei meine Ressourcen verkörpern. Und ich sollte diese spüren. Ich sollte ein Gefühl dafür bekommen, wie ich diese steuern und lenken kann durch meinen Willen und mein Zielgerichtetsein.
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Therapie mit dem Pferd

Naja, insgesamt machte es nicht viel Spaß, da das Pferd oft nicht so wollte wie ich. Ich war folglich frustriert und sah mich nur darin bestätigt, dass ich nichts bewegen kann in diesem Leben. Ich fühlte mich in meiner Lebenssituation gefangen und konnte das auch zusätzlich noch damit ganz rational begründen, dass ich ein sehr schlechtes Verhältnis zu Arbeit entwickelt hatte über die Jahre. Schließlich hatte ich häufig die Erfahrung gemacht, ausgenutzt worden zu sein.
Im weiteren Verlauf der Therapiestunde mit dem Pferd wartete meine Therapeutin ganz überraschend mit einer Provokation auf. Sie sagte sinngemäß: „Na gut. Du musst nicht arbeiten gehen. Du kannst es auch machen wie dein Vater und dich frühzeitig berenten lassen. Das ist kein Problem, wenn du das willst…“ Puh! Da hatte sie einen wunden Punkt getroffen. Jetzt wollte ich es ihr zeigen. Ich dachte innerlich: „OK, das ist also, was du von mir denkst? Dann kennst du mich aber schlecht. Ich bin der ehrgeizigste Kerl weit und breit. Und vor allem habe ich berufliche Träume, die ich realisieren möchte. Du kennst mich echt verdammt schlecht.“
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Eine Trotzreaktion…

Es folgte eine Trotzreaktion meinerseits. Ich wollte einen Job finden, der mir wenigstens halbwegs machbar erschien. Es sollte ein 450 Euro Job sein (auch Minijob genannt), mit dem ich mein Hartz IV aufstocken konnte. Das wären dann so circa 15 Stunden die Woche gewesen, was gleichbedeutend war mit einer Verdopplung meiner bisherigen Arbeitsstunden pro Woche. Ich vertraute darauf, dass es klappen müsste – nach dem, was meine Therapeutin mir sagte. Und falls nicht, hätte ich einen Beweis dafür gehabt, dass sie mit ihrer Einschätzung meiner Leistungsfähigkeit falsch lag. Dann hätte ich es wenigstens probiert. So oder so: Ich konnte nur gewinnen.
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Minijob! Aber wo?

Ich kann gar nicht mehr erklären, wie ich darauf kam, aber mir war schnell klar: Ich wollte kellnern. (Ich glaube, ich wollte das Flirten lernen und mein kommunikatives Verhalten allgemein verbessern.) Auch wenn viele aus meinem Umfeld mir den Vogel zeigten und meinten, dass die Gastronomie die stressigste Branche überhaupt sei. Doch ich wollte unbedingt lernen, wie es ist, Freude an der Kommunikation zu haben. Mein erstes Probearbeiten in einem kleinen Café entpuppte sich als Flop, weil die Besitzerin plötzlich feststellte: „Oh, ich kann dich ja eigentlich gar nicht bezahlen.“

Ich musste aber zu dem Zeitpunkt relativ schnell was Neues finden, da meine Lebenskosten so hoch waren, dass Hartz IV alleine nicht mehr reichte. Also tat ich etwas (für meine Verhältnisse) vollkommen Verrücktes. Ich ging an einem Nachmittag in der Innenstadt in so viele Cafés wie möglich und fragte nach einem Job. Mein Motto lautete getreu dem Zitat von Nossrat Peseschkian:

„Wenn du etwas haben willst, das du nie zuvor hattest, musst du etwas tun, was du nie zuvor getan hast.“

Tatsächlich fand ich auf diesem Weg meinen nächsten Arbeitgeber. Ich sollte zunächst einmal beim jährlichen Stadtfest auf einem Getränkestand arbeiten. Mit der Möglichkeit, danach als Service-Kraft im Café übernommen zu werden.

Ich hatte es geschafft und war am Ziel. Ich wollte es unbedingt und habe genau das auch bekommen.
Wie ich mit den Nachtschichten, dem Stress und der ungewohnten Menge an Arbeitsstunden zurecht gekommen bin, möchte ich im nächsten Teil erzählen. Bis dahin kann ich noch folgenden Artikel empfehlen: „Meine selbstbewussteste Bewerbung“. Er bezieht sich auf eine Bewerbung, die ich in jener Lebensphase für eine Stelle als Verkäufer in einer Bäckerei geschrieben habe.

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