Mein Berufswiedereinstieg nach Burnout (7)

Berufswiedereinstieg
Bildquelle: pixabay.com

In Teil 6 der Berufswiedereinstiegs-Serie habe ich meine Kellner-Tätigkeit thematisiert, die meinen ersten bezahlten Job nach dem Burnout darstellte. In diesem Teil soll es nun darum gehen, was danach kam.
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Halb ausgebrannt und nur Fragen…

Die letzten Wochen im Café waren für mich sehr hart, weil ich den Job einfach nicht mehr gepackt habe. Ich wollte eigentlich viel lieber etwas arbeiten, das mehr meinem Potential und meinen Stärken entsprach. Dazu kam noch das Gefühl des Ausgebrannt-Seins. Mein Körper gab mir die Zeichen, die ich gut kannte. In diesem Zustand der temporären Erschöpfung hatte ich im September 2018 also keinen Job – und das, obwohl ich seit dem Sommer schon auf der Suche gewesen war. Aber die Tonstudios und Audio-Unternehmen, die ich kontaktierte, hatten kein Interesse an mir. So tauchten dann auch einige fundamentale Fragen in mir auf:

  • Wie fit bin ich denn nun wirklich?
  • Hat die Steigerung über die letzten Monate zu einer höheren Belastbarkeit geführt? Oder hat sie mich stattdessen eher kaputt gemacht?
  • Wenn ich 15 Stunden in der Woche kellnern konnte, wie viel Stunden Bürojob kann ich dann vollbringen? 20 Stunden? Womöglich sogar 30 Stunden?
  • Gibt es in meiner Branche überhaupt Halbtagsstellen?
  • Gibt es in meiner Stadt überhaupt entsprechende Jobangebote?
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OK, Klarheit schaffen!

Es war ein langer Findungsprozess in mir, bis ich wusste, was ich überhaupt jetzt zu diesem Zeitpunkt im Herbst 2018 suchen sollte. Ich legte mich auf drei Möglichkeiten fest (nach Priorität geordnet):
1. Halbtagsstelle im Sound- und Musikbusiness oder
2. Praktikum in einem Tonstudio oder
3. Irgendwas im Kreativ-Bereich; Hauptsache Teilzeitstelle

Nach kurzer Zeit war klar: Punkt eins schied aus, weil ich merkte, dass es eine unmögliche Kombination war.
Auch Punkt zwei schied aus, nachdem ich zwei bis drei Absagen für Praktika erhielt und mir klar wurde, dass ein Praktikum sowieso meistens 40 Stunden die Woche beansprucht. Und das erschien mir von meiner körperlichen Verfassung her als ein zu großer Sprung.
Also blieb nur Punkt drei übrig. Hieß: Ich machte schon wieder mal Abstriche – wie so oft in meinem Leben. „Der schwierige Weg hat beim ersten Versuch nicht funktioniert? Dann gehe ich doch lieber den einfachen…“ So in etwa war mein Motto.

Ich hatte im Vorfeld schon errechnet, dass ich zur Not ein paar Monate ohne Job von Hartz IV leben könnte. Allerdings nicht sehr lange. Deshalb wollte ich schon relativ schnell einen Job finden. Selbst wenn ich mit diesem nur mein Hartz IV aufstocken würde – so wie mit dem Kellner-Job.
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Unnötiger Druck von außen

Und als ob ich mir nicht schon genug Druck gemacht hätte, kam dann auch noch Post vom Jobcenter, das mir vorwarf, ich hätte vollkommen ohne Grund meinen Kellner-Job gekündigt. Sie drohten mir sogar Sanktionen an. Ich schrieb daraufhin eine Stellungnahme, weshalb ich den Job gekündigt hatte, die sie auch akzeptierten. Trotzdem hatte das Ganze etwas mit meiner inneren Einstellung bewirkt. Um Ruhe vom Jobcenter zu haben, war ich bereit, fast jeden Job anzunehmen, nur um die Herrschaften dort zufrieden zu stellen. Das Verhältnis zum Jobcenter fühlte sich auf einmal an wie ein Eltern-Kind-Verhältnis…
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Kinderbetreuung?

Das nächste Jobangebot, das auftauchte, war eine 450€-Stelle an einer Waldorfschule zur Kinderbetreuung. Da es in meinem sozialen Umfeld immer wieder ein paar Stimmen gab, die der Meinung waren, ich könnte ja so ein toller Pädagoge werden, wollte ich mich zumindest bewerben. Der Ort war ja immerhin ein vertrauter. Schließlich fanden in jener Waldorfschule auch mein Singen und mein Tai Chi statt. Und zugegebenermaßen hatte dieser Ort schon immer eine gewisse Magie auf mich ausgestrahlt. Die Bewerbung für die Stelle war relativ schnell geschrieben in einer Nacht, in der ich ohnehin nicht schlafen konnte. Zu meiner Überraschung wurde ich tatsächlich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Auf dieses Gespräch folgte eine Einladung zum Hospitieren.

In der Zeit zwischen dem Vorstellungsgespräch und dem Hospitieren sinnierte ich über die nahe Zukunft und kam zu dem Schluss: Der Job wäre ziemlich perfekt in meiner jetzigen Situation. Ich war so kaputt von meinem vorherigen Job, dass fünf Mal die Woche zwei Stunden ein sehr gutes Zeitpensum gewesen wären. Außerdem hätte ich bei dieser Arbeit die Herz-Komponente gehabt, die ich bisher in meinen Jobs so vermisst hatte.
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Neue Pläne

Ich spann noch weiter mit meinen Plänen. Ich könnte ja parallel meine nebenberufliche Selbstständigkeit aufbauen. So wie ich es ursprünglich 2014 vor meinem Klinik-Aufenthalt ja schon einmal angedacht hatte. Ich wollte seit längerem meine Abschluss-Arbeit als Buch veröffentlichen. Dafür wäre genug Zeit da, sollte es mit der Stelle in der Waldorfschule klappen. Gleichzeitig hätte mir der Job so etwas wie eine Struktur in meinen Alltag gebracht. Das wäre alles richtig gut gewesen, nur…

… leider verlief das Hospitieren nicht so erfolgreich wie erhofft. Auf eine Horde kleiner Kinder aufzupassen, die voller Energie aus dem Unterricht kommen und sich austoben wollen… Das ist schon etwas anderes, als wenn man sich einzeln um ein Kind kümmert und aufpasst. Ich musste mir eingestehen, dass ich mit der Situation überfordert war. Immerhin brachte es mir die Gewissheit, dass Erzieher zu werden nichts für mich ist. Trotzdem war ich zunächst sehr enttäuscht wegen des Misserfolgs. Kurze Zeit später überwog der Stolz, dass ich so mutig war, mich dieser neuen Situation überhaupt zu stellen und es auszuprobieren.

Und jetzt? Tja, das verrate ich im nächsten Teil der Serie….

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