Berufswiedereinstieg

Mein Berufswiedereinstieg nach Burnout (8)

Berufswiedereinstieg

Nachdem sich Teil 7 um die Zeit unmittelbar nach meinem Kellner-Job drehte und ich meinen erfolglosen Versuch in einer Waldorfschule schilderte, geht es in diesem Teil mit dem darauffolgenden Büro-Job thematisch weiter.

Online fündig geworden

Wie bereits geschildert war ich auf der Suche nach einer Halbtagsstelle, die halbwegs meinen beruflichen und persönlichen Kompetenzen entsprach. (Ganz schön viele halbe Sachen, oder?^^) Und da mit jedem Tag, an dem ich nichts Neues gegenüber dem Jobcenter vorweisen konnte, mein innerer Druck anstieg, beschloss ich, den klassischen Weg der Jobsuche zu gehen. Ich meldete mich online bei diversen Job-Portalen an und bekam regelmäßig E-Mails mit passenden Stellenangeboten zugeschickt. Da war zugegebenermaßen ganz schön viel Mist dabei, der so rein gar nichts mit meinen Kompetenzfeldern zu tun hatte. Dennoch entdeckte ich eines Abends vorm Schlafengehen in den Job-Angeboten eine Halbtags-Stelle als Texter in einem Online-Shop. Ähnlich ad hoc wie bei der Bewerbung für die Waldorfschule fertigte ich Anschreiben und Lebenslauf an einem Samstag-Abend an.
Dann ging alles ganz schnell: Vorstellungsgespräch und Vertrag folgten alsbald. Vom Verstand her war ich zufrieden mit der Fügung: Es war eine Halbtags-Stelle, ich verdiente gut im Vergleich zu meinen bisherigen Jobs (aber die sind auch keine echte Referenz) und es hatte scheinbar mit meinen Kompetenzen – nämlich dem Schreiben – zu tun. Auch wenn ich lieber emotionale Texte oder Geschichten schreibe als über Produkte. Nichtsdestotrotz belohnte ich mich für diesen Erfolg mit einer kleinen Reise in meine heimliche Traumstadt Freiburg, um dort die letzten Tage „Freizeit“ zu genießen, bevor ich ins Arbeitsleben eintauchen sollte.

Endlich: Nebenberufliche Selbstständigkeit

November 2018 begann dann der Job. Ich hatte mich ab genau diesem Zeitpunkt auch als Freiberufler beim Finanzamt angemeldet. Ich war schon fleißig dabei, meine Abschlussarbeit in ein populärwissenschaftliches Buch umzuschreiben, da kam mir eine neue verrückte Idee: Ich könnte ja T-Shirts mit Therapie-Motiven designen. Die ersten Motive waren super-schnell in meinem Kopf. Dann kamen Ideen für ein Tassen-Set. So waren dann meine Nachmittage im November von der grafischen Umsetzung am Computer geprägt. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten hatte ich mal wieder eine kreative Beschäftigung, die mich packte und fesselte. Und für mich ist das ein ganz großer Faktor zum Glücklichsein. Entsprechend war ich in jener Lebensphase auch voller Tatendrang und Energie. Ich war optimistisch, voller Lebensfreude und regelrecht in das Leben verliebt. Wenn man mich fragte, wie es mir geht, antwortete ich: „Gut.“ Und ich meinte es sogar auch. Dass mir der Angestellten-Job nicht so viel Spaß machte, war in dem Moment OK für mich. Schließlich brachte er mir das Geld ein, von dem ich lebte.

Das liebe Thema Geld

Apropos Geld: Ab November 2018 lebte ich fast unabhängig von Jobcenter bzw. Hartz IV. Etwa 200 Euro bekam ich im Monat noch zur Aufstockung. Aber mein Ziel war, mich kurzfristig von dieser Abhängigkeit zu lösen, um mich das erste Mal in meinem Leben komplett selbstständig zu ernähren. Der Plan war, über meine nebenberufliche Selbstständigkeit eben jene fehlenden 200 Euro pro Monat dazu zu verdienen, um nicht mehr auf Hartz IV angewiesen zu sein. Und es sah zunächst gut aus. Denn ab Dezember 2018 hatte ich meinen ersten richtigen Auftrag als Selbstständiger: Ich sollte Texte für die Webseite einer Bekannten von mir schreiben.

Zu diesem Zeitpunkt war meine Perspektive echt vielversprechend. Im Dezember war nämlich außerdem meine Shirt- und Tassen-Kollektion fertig – passend zum Weihnachtsgeschäft. Mein Buch war ebenfalls veröffentlicht. Außerdem hoffte ich auf weitere Aufträge als Texter.

Ein neues Lebensgefühl

Es war schon ein geiles Lebensgefühl zu jener Phase. Ich hatte das Gefühl, es geschafft zu haben oder zumindest ganz dicht davor zu stehen. Der große Traum der Selbstverwirklichung. Von meiner Kreativität leben zu können…
Dann kamen Weihnachten, Silvester und Neujahr und ich sinnierte über meine Vorsätze fürs neue Jahr, wie man das eben so macht. Dabei wurde mir klar, dass das Schreiben eigentlich „nur“ meine zweitliebste kreative Beschäftigung ist. Um ehrlich zu sein, schlägt mein Herz viel mehr für Musikproduktion und Tongestaltung. Der Vorteil am Schreiben war halt, dass es einfacher war, damit Geld zu verdienen, weil ich ohne Investitionen gleich loslegen konnte und auch eher an Aufträge komme. Außerdem kam mir zugute, dass ich über die vergangenen Jahre hinweg immer irgendetwas geschrieben habe. Bei Sound und Musik hingegen sah die Sache anders aus: Es ist schwierig, ins Business reinzukommen und ich hatte schon länger nichts mehr beruflich in dem Bereich gemacht. Ein weiterer Punkt, der das Unterfangen erschwerte, war mein Wunsch, 2019 eine neue und bessere Wohnung zu finden, die folglich auch teurer sein würde als meine jetzige. Und dafür wäre ein Job in einer sicheren sowie lukrativen Branche natürlich die beste Basis.

Herz vs Kopf

Ich war zwar hin und her gerissen. Doch schnell wurde mir dabei auch klar, dass es ein Konflikt zwischen Herz und Verstand war. Der Kopf wollte eine sichere und gut bezahlte Arbeit, während das Herz endlich ins Musik- und Sound-Business wollte. Damit war klar, was ich eigentlich wirklich wollte. Meine Entscheidungsfindung wurde zusätzlich von außen begünstigt, als mir mein Chef mitteilte, dass er mit mir unzufrieden war, weil die Texte inhaltlich nicht immer ganz korrekt waren. Mal wieder war es über Nacht, dass ein Entschluss in mir kam: Ich wollte zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen und mich direkt auf die Suche nach einem Praktikum in einem Tonstudio machen. Zum Glück war es von Seiten meines Chefs in Ordnung, dass ich noch so lange bleiben konnte, bis ich etwas Neues gefunden hatte.

Im nächsten Teil soll es um ein kleines emotionales Résumé über meinen Berufswiedereinstieg gehen.

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