Mein Berufswiedereinstieg nach Burnout (9)

Berufswiedereinstieg
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Die vorangegangenen acht Teile dieser Serie haben meine beruflichen Entwicklungen seit 2015 thematisiert. Im letzten ging es speziell um meinen Konflikt zwischen Kopf und Herz. Jetzt bin ich mit Teil 9 sozusagen in der Gegenwart angekommen. Deshalb möchte ich einen emotionalen Rückblick geben, in dem ich schildere, was die ganzen Entwicklungen auf der Gefühlsebene mit mir gemacht haben. Außerdem werde ich meine weiteren Pläne schildern.
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Arbeiten gegen die Müdigkeit?

Ein zentraler Punkt beim Berufswiedereinstieg war und ist für mich einfach die Frage nach meinen Kräften. Wie schon am Anfang fällt es mir nach wie vor sehr schwer, einzuschätzen, was ich im Stande bin, zu leisten. Diesbezüglich schwirrt auch ein Satz in meinem Kopf herum, den ich mal von einer Bekannten gehört habe: „Ein Burnout schwächt nachhaltig.“ Das würde ich sofort unterschreiben. Ich bin mir sicher, dass große Teile meiner chronischen Müdigkeit damit zusammenhängen, dass ich Jahre lang über dem Limit gelebt habe. Trotzdem hat sich auch gezeigt, dass meine Müdigkeit ebenfalls mit einer fehlenden Motivation oder anderen Komponenten zusammenhängen kann. So hat mir zum Beispiel mein erster Job nach dem Burnout einen Auftrieb gegeben. Als ich ehrenamtlich auf einem Bauernhof gearbeitet habe, setzte das Zusammensein mit anderen Menschen Kräfte in mir frei. Natur und frische Luft wirkten ebenfalls positiv auf mein Leistungsvermögen. Der nächste Job – nämlich mein Kellner-Job – offenbarte einen weiteren Antrieb: Wenn ich für das, was ich tue, auch noch bezahlt werde, dann setzt das wiederum neue Kräfte frei. Auch wenn ich an dieser Stelle erwähnen muss, dass der Effekt nur temporär war, da ich nach einem Jahr Gastronomie ausgepowert war. Der dritte Job nach dem Burnout schließlich war sehr viel besser bezahlt und weniger stressig. Auch das wirkte sich positiv auf meine Motivation und damit auf meine Kräfte aus, da ich eine gewisse Wertschätzung spürte.
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Erkenntnisse über meinen Körper

Trotz allem bin ich seit Anfang April wieder ohne Job, weil es von den Aufgaben her nicht gepasst hat. Es hat mir keinen Spaß gemacht. Mich einfach nicht erfüllt.
Und dennoch: Insgesamt habe ich durch diese drei Jobs sehr viel Klarheit darüber bekommen, wie ich ticke. Vor allem wie mein Körper tickt. Es tut mir gut, einen geregelten Alltag zu haben und auf der Arbeit Menschen zu sehen. Ein Rhythmus mit Spätschichten ist nichts für mich. Stattdessen geht es mir sehr viel besser, wenn ich mit dem Licht und dem Biorhythmus lebe. „Mit den Hühnern aufstehen und mit ihnen zu Bett gehen“ sagt der Volksmund so schön. Das passt einfach am besten zu meiner gesundheitsbewussten Lebensweise.
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Festanstellung vs. Selbstständigkeit

Die Angestelltenverhältnisse haben also gezeigt, dass es für mich durchaus stabilisierend ist, eine vorgegebene Struktur zu haben. Denn dies gibt einem Sicherheit. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass ich seit Ende letzten Jahres auch als Freiberufler im Bereich Mediengestaltung beim Finanzamt gemeldet bin. Und auch wenn die großen finanziellen Erfolge in der Selbstständigkeit noch ausgeblieben sind, so muss ich feststellen: Es macht verdammt viel Spaß, sein eigener Chef zu sein und verrückte Ideen zu spinnen und diese dann in Eigenregie umzusetzen. Nachteil bei diesem Unterfangen ist in meiner jetzigen Situation noch die Abhängigkeit von Hartz IV, weil ich anders nicht über die Runden komme. Deshalb muss ich mich auch regelmäßig durch Jobcenter-Formulare bezüglich der Selbstständigkeit durchquälen, was echt keinen Spaß macht. Es ist halt nicht einfach, von Hartz IV direkt in die Selbstständigkeit zu gehen, weshalb ich ja auch die nebenberufliche Selbstständigkeit als mein Modell der nahen Zukunft gewählt habe. Trotzdem muss ich ebenso festhalten: Langfristig gesehen passt Selbstständigkeit eher zu mir als eine Festanstellung. Denn das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung sind wahnsinnig toll. (Übrigens bin ich fest davon überzeugt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen erlernter Hilflosigkeit und dem Bedürfnis nach der Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses…)
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Meine Definition von „Arbeit“

Mir ist in den vergangenen vier Jahren klar geworden, was der Begriff „Arbeit“ für mich im Idealfall bedeutet:

  1. Arbeit muss Spaß machen! Mir ist diesbezüglich immer mehr bewusst geworden, dass meine größte Leidenschaft die Musik- und Tongestaltung ist. Wobei mir auch Schreiben sehr viel Spaß macht. Ebenso wie das Unterrichten und Lehren.
  2. Arbeit muss einen Sinn haben! Es bringt mir nichts, wenn ich etwas mache, das mir Spaß macht, aber niemand etwas davon hat. Solange ich nur für mich alleine vor mich hinarbeite, kann eine Arbeit mich nicht erfüllen. Ich will Menschen helfen. Ich will etwas verbessern. (Es muss ja nicht gleich die ganze Welt sein.) Und um ganz ehrlich zu sein: In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, dass die Herz-Komponente in meinem Leben zu kurz kommt. Da ist momentan eine Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit durch mein Tun. Und in gewisser Weise vermisse ich diesen extremen Menschen-Kontakt, wie ich ihn zu Zeiten des Kellner-Jobs hatte.
  3. Arbeit muss gut bezahlt sein! Ich will in der Lage sein, mich selbst zu ernähren, ohne auf Hartz IV angewiesen zu sein. Es geht mir also nicht darum, übertrieben reich zu sein. Es geht nur darum, fair bezahlt zu werden, um nicht auf finanzielle Unterstützung Dritter angewiesen zu sein.

Aber hey, das ist doch schon mal ganz cool: Ich weiß, was ich will!
Dennoch möchte ich noch ein paar Probleme schildern, die in letzter Zeit im Bezug auf mein Berufsleben aufgetaucht sind.
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Probleme beim Berufswiedereinstieg nach Burnout

Ich habe ja geschildert, dass ich unbedingt ins Sound- und Musik-Business will, weshalb ich mich in den vergangenen Wochen und Monaten um einen Job oder ein Praktikum bemüht habe. Leider erfolglos! Das Dilemma ist: Ich bin nicht qualifiziert genug für eine Festanstellung in dem Bereich, weil mir die Erfahrung fehlt. Andererseits bin ich zu qualifiziert für ein Praktikum, weil man so etwas halt besser während dem Studium macht und nicht danach. Da spüre ich die Auswirkungen meines Burnouts auf meine Lebensträume also richtig krass! Und natürlich fange ich dann auch an, zu hadern: „Wäre ich doch nur gesund gewesen, dann hätte ich damals schon ein Praktikum im Studium gemacht. Dann hätte ich die nötigen Erfahrungen gesammelt, um in dem Bereich arbeiten zu können…“ Ja, es ist schon so, dass ich in solchen Situationen denke: „Mein Burnout hat mein Leben kaputt gemacht!“ Es hat dazu geführt, dass mein Lebenslauf mehr Lücken aufweist, als ein Schweizer Käse Löcher hat. Hinzu kommt dabei auch immer mein Gefühl, keine Zeit zu haben. „Ich muss jetzt endlich Arbeit in dem Bereich finden, sonst ist es für immer zu spät!“ Natürlich kommen da einige Glaubenssätze zusammen, die mir weis machen wollen, ich hätte keine Zeit zu verlieren. Um so wichtiger, dass meine Therapeutin mir vor Kurzem verdeutlicht hat, dass ich alle Zeit der Welt habe. Deshalb heißt meine Affirmation: Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche!
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Also? Optimismus?

Was mir Mut macht, ist die Tatsache, dass in der Medienbranche der Lebenslauf nicht so viel zählt wie das Portfolio. Getreu dem Motto: Scheiß‘ auf die Lücken im Lebenslauf, wenn du coole Projekte vorweisen kannst!
Fakt ist auf jeden Fall, dass ich irgendeinen Weg finden muss, um zu üben und besser zu werden. Zur Not auch autodidaktisch. Auch wenn ich diesen Weg mittlerweile satt habe, weil es sich mit anderen Menschen zusammen einfach besser lernen lässt. Immerhin: Was meine Qualifikationen fürs Texten angeht, könnte ich beruflich gesehen direkt loslegen. Bleibt nur noch das Problem mit der Herz-Komponente: Ich würde gerne eine Weiterbildung im sozialen Bereich machen, damit ich besser mit Menschen arbeiten kann, was das Coaching und Unterrichten betrifft. Allerdings will ich dafür nicht zu viel Zeit aufwenden, da es momentan zu viele Präferenzen gibt…

Ach Gott! Wie soll ich das nur unter einen Hut kriegen? Das bringt mich direkt zum nächsten Thema: Multipassion. Wie ich plane, alle meine verschiedenen Leidenschaften unter einen Hut zu kriegen, werde ich dann in Teil 10 der Serie schildern.

Der Krisenwandler ist auch auf Facebook und bei Twitter sowie Instagram zu finden.

 

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