Vaterschaftstest. Das Ergebnis.

Vaterschaft

Nachdem mich das Thema Vaterschaft lange Zeit beschäftigt und ich folglich einen Test gemacht habe, liegt nun das Ergebnis vor. Es ist positiv ausgefallen. Aber was hat es mit mir gemacht?
_

Das Warten auf das Ergebnis

Eigentlich könnte man meinen, dass fünf Tage Bearbeitungszeit doch sehr human sind. Wenn dann allerdings ein Feiertag und ein Wochenende dazwischen liegen, kann sich diese Zeit ganz schön hinziehen. Deshalb war das Warten auch eine kleine Tortur. Immer wieder habe ich mir beide möglichen Szenarien ausgemalt: Wie würde es aussehen, wenn der Test positiv wäre? Wie würde es aussehen, wenn der Test negativ wäre? Es verfolgte mich sogar bis in meinen Schlaf. Immer wieder hatte ich Träume, in denen die unterschiedlichsten Leute auf mich zu kamen und behaupteten, sie seien mein Vater. (Nein, Darth Vader war nicht dabei. 😉)
Der letzte Traum war jedoch, dass der Test positiv sei.
Häufig wurde ich auch von Leuten aus meinem Umfeld gefragt, welches Ergebnis mir denn lieber sei. Was für eine Frage!? Im Vorfeld war ich der Meinung, dass mit einem positiven Test alles gut sei und das Thema zu den Akten gelegt werden könne. Wenn es doch nur so einfach wäre…
_

Das Ergebnis

Am vergangenen Mittwoch war der Test ausgewertet, aber ich schaute mir das Ergebnis erst tags darauf mit einem Freund an, weil ich Angst hatte, das Ergebnis hätte mich umhauen können. Schließlich musste ich Mittwoch Abend noch kellnern und für ca fünf bis sechs Stunden „funktionieren“…
Als ich dann auf einer Bank in den Streuobstwiesen am Donnerstag Nachmittag das Ergebnis auf dem Smartphone ansah, stand da diese ominöse 99,99999674. Da war mir klar: „Positiv.“
Der Freund, der neben mir saß, fragte mich, ob ich jetzt erleichtert sei. Eine Frage, die ich an dem Tag noch häufiger hören sollte. Und eigentlich sollte ich das auch sein. Erleichtert. Das war das, was der Verstand sagte. Aber die Gefühlsebene sah anders aus. Ich fühlte erstmal gar keinen Unterschied zu vorher. Als hätte der Schiedsrichter das Spiel abgepfiffen und das Ergebnis stünde fest – nur hätte ich den Abpfiff nicht realisiert. Ich hoffte, dass die Erleichterung irgendwann mit Verspätung einsetzen würde, so wie ich es häufiger bei Therapie-Sachen erlebt habe. Doch auch einen Tag danach ist mir nicht nach Freude zumute. Ich frage mich nach dem Warum.

Naja, so ein negatives Testergebnis hätte auch was Schönes gehabt. Es hätte nämlich viele Gefühle und Verhaltensmuster erklärt. Die von mir und dem gesamten Familiensystem. So aber muss ich andere Erklärungen dafür finden.
Der nächste Gedanke, der kommt, ist mal wieder ein schlechtes Gewissen dafür, dass ich überhaupt infrage gestellt habe, dass mein Vater nicht mein Vater sei.
Und zuletzt frage ich mich auch ganz ehrlich, ob es vielleicht tief in mir drin etwas gibt, das sich gerne einen anderen Vater gewünscht hätte.
Ich frage mich, wann die Erleichterung und die Klarheit einsetzen werden. Ich hoffe, dass sie irgendwann kommen. Denn im Moment hat die Antwort auf die V-Frage eher weitere Fragen aufgeworfen als Antworten geliefert.

Der Krisenwandler ist auch auf Facebook und bei Twitter sowie Instagram zu finden.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.