Was erwartet mich in einer psychosomatischen Klinik?

Psychosomatische Klinik
Bildquelle: pixabay.com

Als ich Anfang 2015 beschloss, mich in einer psychosomatischen Klinik behandeln zu lassen, hatte ich riesigen Bammel vor dem, was mich erwarten würde. Zum Glück hat sich das innere Bild von einer Irrenanstalt, wie viele es haben, nicht bestätigt.

Ich weiß noch genau, wie schlecht ich geschlafen habe in der Nacht vor meiner Anreise in die Klinik. Der Gedanke, dass ich morgen zur selben Zeit schon in einem Klinik-Bett liegen würde, löste bei mir eine dezente Panik aus. In meinem Kopf spukten die ganzen Vorurteile, die man von einer psychosomatischen Klinik hat. Man würde nicht ernst genommen und behandelt wie ein kleines Kind, während man gleichzeitig gezwungen wäre, gegen seinen Willen irgendwelche Pillen zu schlucken. Alles, was man tut, würde kontrolliert werden und man hätte keinen Ausgang – so ähnlich wie im Knast. Dass die Webseite der Klinik eigentlich einen anderen Eindruck vermittelt hatte, war mir in dem Moment egal. Fast so nach dem Motto „Lass mich, ich will mich da jetzt so schön in was reinsteigern“.

Als ich dann am nächsten Tag in der Klinik ankam, wurde mir schnell klar, dass man es gut mit mir meint. Den Mitpatienten/-innen dort sah man genau so wenig wie mir an, wie abnormal sie sind. Naja, vielleicht sind wir es auch gar nicht!?
Es tat mir sogar richtig gut, auf Gleichgesinnte zu treffen, die meine Leiden nachvollziehen konnten und die auch nicht wussten, wie sie ihr Leben alleine regeln sollen.

Der nächste erleichternde Moment kam dann beim ersten Gespräch mit dem Oberarzt: Er erklärte mir, dass man mir nicht gegen meinen Willen irgendwelche Medikamente verabreichen dürfe. Deshalb fragte er mich, was denn mein Wunsch diesbezüglich wäre. Ich sagte, ich wolle es zunächst einmal ohne Medikamente probieren, woraufhin er entgegnete, dass dies auch sein Vorschlag sei. Oh, da fielen mir ein paar Steine vom Herzen…

Zu guter Letzt wurde dann auch noch im Begrüßungsforum für die neuen Patienten ausführlich der Unterschied zwischen einer psychosomatischen Klinik und einer Psychiatrie erläutert. Damit war dann auch klar: keine weißen Kittel, keine Zwangsjacken usw. Stattdessen ein respektvoller Umgang mit den Patienten, was bedeutet, dass man ernst genommen wird, als die Person, die man ist. Ja, sogar Freigang hatten wir…

Die Theorie vom respektvollen Umgang bestätigte sich auch in der Praxis; um ehrlich zu sein sogar mehr als das. Nicht nur das Pflegepersonal war so unglaublich zuvorkommend und liebevoll. Auch die Ärzte und Therapeuten waren es. Diese schon fast unheimlich liebevolle Art, wie ich sie bis dahin aus meinem Lebensalltag gar nicht gewohnt war, erstreckte sich sogar bis zu den Sekretärinnen und dem Putzpersonal. Es war eine Atmosphäre, die sich für mich anfühlte wie Urlaub für die Seele. Und dies gab mir wohl auch diese Sicherheit, hier könne ich mich öffnen und mich fallen lassen. Es war der Grundstein für ein erfolgreiches therapeutisches Arbeiten an mir selbst.
Die eingangs erwähnten Befürchtungen hatten sich allesamt nicht bestätigt und so musste ich mein Bild revidieren, das ich von einer derartigen Einrichtung hatte.

Nachtrag: Nachdem ich auf vielen anderen Depressions-Blogs Erfahrungsberichte von Klinik-Aufenthalten gelesen habe, ist es mir wichtig, ein paar Dinge klar zu stellen.
Wenn ich hier von ‚Urlaub‘ rede, dann bedeutet das nicht, sich zurück zu lehnen und angenehme Dinge zu tun. Im Gegenteil: „Psychotherapie ist Schwerstarbeit.“ Das sind damals die Worte vom Klinik-Oberarzt gewesen. Und dennoch war es für mich ein Regenerieren und Kraft tanken und fühlte sich weitaus besser an, als zu Hause alleine im Bett zu liegen und zu verkümmern. Einfach nur die Gesellschaft anderer Leute hat mir soviel gegeben.
Und dann muss ich als nächstes noch anfügen, dass ich aufgrund einer Ausnahme, die meine Krankenkasse mir gegenüber gemacht hat, in einer Privatklinik war. Das bedeutet also, dass sich meine Erfahrungen von denen der Patienten einer normalen Klinik unterscheiden und es mir wohl besser erging. Generell muss ich zugeben, dass ich sehr viel Glück hatte, so schnell einen Platz in einer Klinik zu bekommen. Es dauerte keine zwei Wochen, da meine Krankenkasse sehr kooperativ mitwirkte. Alles in allem bin ich für diese positiven Fügungen sehr dankbar, denn sie sind alles andere als selbstverständlich in diesem Land, wo andere ewig auf einen Therapieplatz warten.

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