Mein Leben

Was sind die Rauhnächte?

Rauhnacht

In diesem Artikel möchte ich erklären, was die Rauhnächte eigentlich sind. Schließlich ist es bei mir auch noch gar nicht so lange her, dass ich mir diese Frage gestellt habe, als ich das erste Mal darüber gestolpert bin. Mittlerweile sind die Rauhnächte mit ihren Ritualen jedes Jahr ein fester Bestandteil in meinem Leben.

Der Begriff Rauhnacht

Die Rauhnächte stammen ursprünglich aus dem europäischen Brauchtum. Damals wurde den Nächten am Ende des Jahres eine besondere Bedeutung zugemessen. Da der Mondkalender nämlich nur 354 Tage hatte, blieben elf oder zwölf Tage übrig, um das Jahr sozusagen zu vervollständigen. In dieser Zeit, so glaubte man, wären die Naturgesetze außer Kraft gesetzt und die Tore zu anderen Welten würden sich öffnen. Schließlich waren diese Tage und Nächte nicht im Kalender, sodass man sie als „tote Tage“ bezeichnete. Zudem gab es diverse Rituale oder Dinge, die man aus Aberglauben nicht tun durfte. Man glaubte auch, Voraussagungen über das Wetter machen zu können.

Heutzutage feiert man die zwölf Nächte vom 25. Dezember bis zum 6. Januar als Rauhnächte, wobei sich die Rituale im Vergleich zu früher logischerweise ein bisschen verändert haben. Doch muss man zwangsläufig esoterisch veranlagt sein, um in der heutigen Zeit so etwas zelebrieren?

Mein persönlicher Bezug

Zuallererst möchte ich die vorangegangene Frage mit einem „Nein“ beantworten. Denn ich habe für mich in der Psychotherapie schon herausgefunden, wie wichtig Rituale sind. Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade Traumatherapeuten gerne mit Ritualen arbeiten. Zum ersten Mal ist mir dies in der psychosomatischen Klinik aufgefallen, als Frau M bei jeder Sitzung eine Kerze anzündete.

Im Laufe der Zeit habe ich auch für mich meine eigenen Rituale entwickelt, zumal meine aktuelle Therapeutin dieses Vorgehen sehr stark unterstützt. So habe ich zum Beispiel in einer Sitzung feierlich alte Glaubenssätze verbrannt. Als ich dann zum ersten Mal von einer Rauhnacht-Veranstaltung hörte und mich darüber informierte, war klar: Das will ich auch mal ausprobieren!

Also bin ich zu dieser Veranstaltung gegangen, wo wir inklusiver der Gruppenleiterin etwa zehn Personen waren. Meistens finden solche Veranstaltungen in Blöcken statt, die sich auf drei oder vier Abende der zwölf Rauhnächte verteilen. Auf dem Programm standen unter anderem Meditationen und Rituale.

Das macht man bei Rauhnacht-Veranstaltungen

Das Schöne an Meditationen ist, dass meistens konkrete Bilder im Kopf auftauchen, die einem verraten, welche Themen einen gerade intensiv beschäftigen. Diese kann man sich noch einmal bewusst vor Augen führen, um sie im nächsten Schritt loszulassen. Im übertragenen Sinne kann man also sagen, dass man seine Schatten, die alten Muster und den eigenen Ballast im alten Jahr zurücklässt. Oder man nimmt sich vor, diese Dinge umzuwandeln, indem man sie therapeutisch bearbeitet.

Ebenso lassen sich übrigens über Meditationen auch Ziele und Träume ermitteln, die man im neuen Jahr angehen will. Der Fachausdruck hierfür lautet Visionsfindung.

Ein ganz bestimmtes Ritual ist bei mir so sehr hängen geblieben, dass ich es seitdem jedes Jahr praktiziere – nämlich das Zettel-Ritual. Man schreibt dreizehn Zettel, die man mit Wünschen oder Vorhaben versieht. Das kann beispielsweise der Wunsch nach einem Ortswechsel, einer beruflichen Veränderung oder Glück in der Partnerschaft sein. Dann zieht man in jeder Rauhnacht einen dieser Zettel und ordnet sie den Monaten zu: der erste Zettel für den Januar, der zweite Zettel für den Februar und so weiter. Der dreizehnte Zettel bleibt sozusagen übrig, weil er keinem bestimmten Monat zugeordnet worden ist. Er beinhaltet deshalb das Über-Thema, das für das gesamte Jahr gilt. Bei mir zum Beispiel war dieses Über-Thema für 2019 das Vorhaben, verrückte Dinge zu tun.

Nebenbei erwähnt werde ich in der vierten Ausgabe des Krisenwandler-Podcasts genau dieses Ritual für 2020 praktizieren.

Sollte also jeder die Rauhnächte praktizieren?

Insgesamt ist das Feiern der Rauhnächte sicherlich nicht jedermanns Sache, da man eine gewisse Offenheit für Rituale mitbringen muss. Wenn man sich dafür interessiert, kann man entweder auf eine Veranstaltung gehen, wo man die Rituale in einer Gruppe praktiziert. Oder man tut es für sich alleine.

Das Gute ist: Egal ob man daran glaubt, dass sich die Dinge erfüllen oder nicht – man schafft einen Raum für Achtsamkeit und Besinnung. Und so kann man besser auf die Botschaften der inneren Stimme hören.


Weiterführende Literatur:

Das Geheimnis der Rauhnächte: Ein Wegweiser durch die zwölf heiligen Nächte (Jeanne Ruland)*

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**Titelbild des Beitrags by Ryan Hutton on Unsplash

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