Was sind Glaubenssätze?

Glaubenssatz
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Wer sich mit den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Psychotherapie beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff „Glaubenssatz“. Deshalb möchte ich diesen in folgendem Text erklären und konkrete Beispiele aus meinem Leben nennen.
Übrigens steht eng verbunden mit dem Thema auch der Begriff „Affirmation“. Aber fangen wir der Reihe nach an…
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Was bedeutet Glaubenssatz?

Jeder von uns ist stark geprägt durch seine Erziehung – ob er will oder nicht. Und gerade unsere allerersten Lebensjahre sind für unser späteres Sein die prägendsten. Wenn unsere Erziehung optimal verläuft (beziehungsweise verlaufen ist), dann ist das natürlich prima. Leider ist das bei den wenigsten der Fall, sodass aus dieser Zeit viele frühkindliche Störungen her ruhen. Wenn wir etwas Schlechtes erlebt haben oder etwas Schmerzhaftes gesagt bekommen haben, dann haben wir dies unterbewusst als universelle Wahrheit abgestempelt. So nach dem Motto: „Okay, es war einmal so. Und so wird es auch immer sein. Es wird sich immer und immer wiederholen.“ Diese eingebrannten Muster bezeichnet man als Glaubenssätze. Dies sind zum Teil Erfahrungen. Doch viel öfter sind es Sätze, die man von Erziehungsberechtigten wie den eigenen Eltern zu hören bekam. Zum Beispiel:

  • „Probier’s gar nicht erst. Das schaffst du eh nie.“
  • „Lieber auf Nummer sicher gehen, da kann dir nichts passieren.“
  • „Sei still und erzeuge bloß keine Aufmerksamkeit.“
  • „Wenn die Großen etwas sagen, dann hast du es auch zu machen.“
  • „Du warst schon immer handwerklich unbegabt und wirst es immer bleiben.“

Die Liste an Glaubenssätzen, die uns prägen und hemmen, ist vielseitig und kann fast unendlich fortgesetzt werden.
Das Problem an Glaubenssätzen ist, dass sie unser Leben auf verschiedene Art und Weise negativ beeinflussen. Zum einen sucht man immer nur Situationen, die einen in diesen Glaubenssätzen bestätigen, während man die Situationen, in denen sie sich nicht bewahrheiten, kaum noch realisiert oder diesen einfach weniger Gewicht gibt. Ein ganz simples Beispiel wäre der Glaubenssatz „Ich sehe überall nur Paare“. Läuft man mit dieser Einstellung durch den Alltag wird man verdammt viele Paare sehen, aber bestimmt genauso viele alleinstehende Menschen. Nur fallen einem letztgenannte eben kaum noch auf, weil der Wahrnehmungs-Spot ausschließlich auf Paare ausgerichtet ist. Vereinfacht kann man sagen: Mit den passenden Glaubenssätzen sieht man nur noch das, was man sehen will. Das ist halt nur in der Hinsicht doof, als dass es sich bei Glaubenssätzen meistens um negative Lebenseinstellungen handelt. Und dies wiederum führt dazu, dass man ganz schnell ein pessimitisches Weltbild entwickelt, was ein hervorragender Nährboden für jede Depression ist.

Außerdem gibt es noch ein Phänomen, das sich „selbsterfüllende Prophezeiung“ nennt. Dies erklärt sich so: Wenn ich permanent mit dem einen bestimmten Satz im Kopf herumlaufe, ziehe ich entsprechende Situationen magisch an. Wenn ich also durch mein Leben laufe mit der festen Überzeugung „Immer passiert mir etwas Schreckliches“, dann werde ich Katastrophen magisch anziehen. Wie sich dieses Phänomen wissenschaftlich erklärt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht mag es für den einen oder anderen etwas esoterisch klingen. Aber ich habe es schon am eigenen Leib erfahren und ich weiß auch, dass viele Psychotherapeuten dieses Phänomen bei ihrer Arbeit berücksichtigen.
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Meine hartnäckigsten Glaubenssätze

Im Folgenden möchte ich nun die Glaubenssätze vorstellen, die mich in meinem Leben am stärksten geprägt haben:

  1. „Ich werde nie einen vernünftigen Job finden.“
  2. „Ich werde mir nie eine vernünftige Wohnung leisten können.“
  3. „Ich werde nie mehr gänzlich gesund sein.“
  4. „Ich werde nie wieder sportlich, muskulös und vital sein.“
  5. „Ich ziehe das Pech magisch an – genauso wie kontinuierliche Rückschläge.“
  6. „Ich werde nie eine Freundin finden.“
  7. „Ich werde nie einen gleichaltrigen besten Freund finden.“
  8. „Das Leben ist gegen mich.“
  9. „Ich werde mich nie gegen andere (Männer) durchsetzen.“

Wenn man sich diese Liste nun so anschaut, dann stellt man relativ schnell deren Ursprung fest. Viele der oben genannten Glaubenssätze liegen einfach darin begründet, dass ich in den letzten sechs Jahren sehr viel durchgemacht habe und mir gar nicht mehr vorstellen kann, wie Normalität und Gesundheit aussehen. Ein anderer Aspekt ist, dass ich bisher in den fast 32 Jahren meines Lebens noch nie in der Lage war, mich selbst zu ernähren. Entweder haben mich meine Eltern finanziert oder der Staat durch ALG II. Naja, und manche der Glaubenssätze haben ihren Ursprung in meiner Kindheit. Es sind Dinge, die mir meine Eltern nur lange genug eingeredet haben oder mich haben glauben lassen.
Das alles klingt jetzt so, als sei man in seinen Glaubenssätzen verloren und es gäbe keinen Ausweg. Aber so ist es zum Glück nicht, denn es gibt ein Gegenmittel:
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Affirmationen

Affirmationen sind sozusagen das positive Pendant zu negativen Glaubenssätzen. So kann man zum Beispiel jeden negativen Glaubenssatz in einen positiven umformen. Ihn sozusagen transformieren. Ganz vereinfacht ausgedrückt: Man redet sich etwas einfach so lange ein, bis man selbst dran glaubt. Und zwar etwas Positives. Viele Menschen schwören darauf, mit solchen Affirmationen in den Tag zu starten, indem sie als allererstes nach dem Aufstehen diese positiven Sätze aussprechen, um mit einer optimistischen Einstellung durch den Tag zu gehen. Es soll angeblich das Glücklichsein fördern…

Meine Psychotherapeutin beispielsweise arbeitet ganz viel mit Affirmationen. Dies sieht dann so aus, dass sie mir optimistische Sätze vorspricht, die ich dann nachspreche. Häufig betrachte ich mich dabei selbst im Spiegel, während ich sie spreche. Ganz oft ist es mir dabei schon passiert, dass ich Dinge gesagt habe, an die ich eigentlich gar nicht glaube, aber ich habe sie trotzdem gesagt. Und das hat sich allen Widerständen zum Trotz gut angefühlt. Ganz schwierig ist diese Übung, wenn man damit eine negative Wahrnehmung des eigenen Körpers zu therapieren versucht. Jemand, der sich selbst als hässlich empfindet, wird es wahnsinnig schwer haben, seinem Spiegelbild zu sagen, dass er schön und begehrt ist. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.
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Meine persönlichen Affirmationen

Was ich zusammen mit meiner Therapeutin gemacht habe, war etwas ganz Spannendes. Ich wollte jeden der oben genannten Glaubenssätze zu einem positiven transformieren. Ich habe meiner Therapeutin deshalb die negativen Glaubenssätze vorgelesen und sie hat für sich die transformierte Version aufgeschrieben, die ich mir allerdings erst zu Hause anschaute und dann an meinen Kleiderschranmk klebte, sodass ich sie seitdem jeden Morgen als erstes sehe und weiß, wohin ich will.
Die transformierten Versionen lauten:

  1. „Ich bin erfüllt und wohlhabend in meiner maßgeschneiderten Arbeit.“
  2. „Ich lebe in einem Territorium der Fülle.“
  3. „Ich bin und bleibe vollkommen gesund.“
  4. „Ich bin sportlich durchtrainiert und vital.“
  5. „Ich bin ein erfolgreiches Glückskind.“
  6. „Ich bin geliebt und geachtet glücklich verpaart.“
  7. „Ich gehe tief verbunden mit meinem besten Freund durchs Leben.“
  8. „Das Leben liebt und fördert mich mit Kraft und Freude.“
  9. „Ich bin als Mann von anderen Männern geachtet und vollkommen.“

Und als Bonus gab’s noch diesen schönen Satz hier:
„Ausschließlich mein Wille geschieht in meinem Leben.“
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Und zum Abschluss noch ein Ritual!

So, und um das Ganze rund zu machen, habe ich den Zettel, auf dem die alten Glaubenssätze standen, im Ofen verbrannt, weil ich finde, dass bei einer solchen therapeutischen Arbeit ein Ritual am Ende immer ganz wichtig ist. Hier ist zum Abschluss das Video des Feuer-Rituals:

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