Mein Leben

Wie ich meine erste Tantra-Massage erlebte

Buddha Figur

Nachdem ich nun lange gezaudert und gezögert habe, habe ich mich letztlich doch dazu entschieden, über meine erste Tantra Erfahrung zu schreiben.
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Zunächst mal zur Begriffsklärung

Erstmals über den Begriff „Tantra“ gestoßen bin ich über einen Bekannten, der selbst Masseur ist und der mir seitdem schon einiges über diese Art der Massage erzählt hat. Er meinte, dass man nackt massiert werde und dass das Ganze eine Art Ritual ist. Auf wen sich das „nackt“ bezieht, darauf werde ich später im Text noch eingehen. Jedenfalls habe ich den Begriff mal eben kurzerhand in meine geistige Schublade mit der Aufschrift „fernöstliche Körperberührung“ gesteckt, weil das von allen Schubladen in meinem Kopf immer noch die passendste war. Irgendwann kam mir auch noch der Begriff „Genital Yoga“ als Synonym. Den fand ich ganz lustig. Alles in allem schien Tantra zwar etwas Spannendes und Interessantes zu sein, aber einfach nix für mich.
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Wie sich die Dinge doch ändern können…

… vor allem dann, wenn man sich intensiv in Prozessen befindet. Und so kam es, dass meine Psychotherapeutin im Mai diesen Jahres zu mir meinte, so ’ne Tantra Massage wäre therapeutisch gesehen das nächste, das für mich anstehe. Innerlich zeigte ich ihr den Vogel und dachte: „Iiiiiiiis klar…“ Antworten tat ich jedoch etwas Anderes. Ich entgegnete, dass ich sie gut verstehen könne, dass es mich mit meinem Nähe-Distanz-Problem genau so weiterbringen würde wie das Besuchen von Kuschelpartys, das ich seit einem Jahr praktiziere. Aber es sei einfach noch nicht die Zeit dafür. Vielleicht in ein oder zwei Jahren. Nicht jetzt. Sie jedoch fügte dann noch hinzu, sie glaube, ich würde schon im Juni eine Tantra Massage bekommen. „Uh!“, dachte ich bei mir. Wenn sie so etwas prophezeit, tritt das in aller Regel auch ein, denn sie scheint da mit höheren Kräften im Bunde zu sein. Und tatsächlich sollte sie Recht behalten.

Zwei Aspekte begünstigten meine schnelle Entscheidung pro Tantra: Erstens nahm mich ein Freund mit an einen FKK-Badesee, von dem ich vorher gar nicht wusste, dass es ein solcher ist (also, ich meine den Badesee^^). Damit war unfreiwillig schon die erste Hürde genommen. Der zweite Aspekt war, dass ich eine Tantra Masseurin kannte, bei der ich ein gutes Gefühl hatte und Vertrauen verspürte. Ich wusste immer: Sollte ich mich tatsächlich mal tantrisch massieren lassen, würde ich mich an sie wenden. Schließlich habe ich sie als eine sympathische und aufgeschlossene weise junge Frau kennengelernt.
Also machte ich relativ schnell Nägel mit Köpfen und vereinbarte einen Termin.

Eines noch vorweg: Nähe-Distanz-Konflikt ist als Ausdruck nur die Kurzversion meines Problems. Die ausführliche Version ist, dass ich ein riesiges Mutter-Thema habe, wie man es in der Therapeuten-Sprache so schön sagt. So groß, dass es sogar eine Mutter-Kiste oder gar ein Mutter-Koffer ist, den ich da mit mir herumtrage. Moment! Wenn ich so überlege, glaube ich sogar, dass es ein Container ist. Das Schlimme an diesem Mutter-Konflikt ist, dass es auch gleichzeitig ein Frauen-Konflikt ist. Dieses Problem mit echter Nähe und so. Und von daher ist/war so eine Tantra-Massage eine echte Herausforderung, die mich andererseits aber auch unglaublich weiterbringen kann in meiner Entwicklung.
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Im Vorgespräch lauerte noch ein Schock

Teil einer jeden Tantra-Behandlung (zumindest bei der Dame zu der ich ging) ist ein ausführliches Vorgespräch, das mir richtig gut tat. Hier konnte ich einerseits erzählen, wo ich mich in meinem Leben und in meinen Prozessen befinde. Andererseits erklärte mir die Masseurin (vielleicht ist Tantra-Therapeutin der bessere Begriff), dass jede Emotion willkommen sei und sie die Massage gegebenenfalls individuell gestalten kann. Das nahm mir alles sehr viel Angst und schuf zudem einen Rahmen des gegenseitigen Vertrauens. Dann aber kam ein Schock: Sie sagte, sie würde bei der Massage ebenfalls nackt sein. Oha! Das war mir vorher nicht bewusst. Ich wusste zwar, dass ich selbst nackt wäre, aber dass der/die Masseur/in ebenfalls nackt ist bei dem Prozedere, hörte ich zum ersten Mal. Na, das war noch mal ’ne schöne Überwindungshürde, die ich da nehmen musste! Trotzdem ruderte ich nicht zurück, sondern gab mich der Erfahrung hin.
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Und nun zur Erfahrung selbst

Gerade der erste Teil der Massage drehte sich sehr um die Verehrung meines Körpers. Dass mein Körper etwas Besonderes ist. In diesem Moment wurde mir klar, was für eine schlechte Beziehung ich zu meinem Körper habe. Denn es fiel mir so schwer, diese Verehrung auch anzunehmen. Ich hatte vielmehr das Gefühl, all dieses Prozedere nicht wert zu sein.
Danach ging dann der Teil der Massage mit Berührung los, bei dem man eigentlich die Augen geschlossen hält. Aber es gab mir Sicherheit, zu sehen, wer mich da berührte; und so behielt ich meine Augen größtenteils offen. Und oh Mann, da konnte einem fast schwindelig werden von den Anblicken. Denn es war eine Art einstudiertes über mir Herumturnen eines nackten weiblichen Körpers.
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Fazit

Dennoch: Wenn das Ziel war, mein Mutter-Thema zu knacken, eine völlig neue Sichtweise zu Frauen zu bekommen und eine bessere Beziehung zu meinem Körper zu entwickeln, dann war die Massage ein voller Erfolg. Aber einfach war es nicht. Es gab Momente, da musste ich während der Massage losheulen. Und trotzdem gab es ebenso Momente, wo ich es einfach nur genießen konnte, ohne mir immer wieder vor Augen führen zu müssen, dass das Ganze einen therapeutischen Zweck verfolgt.

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